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Die Polizei veröffentlichte ein Foto, dass den 34-jährigen Algerier, der im Sauerland festgenommen wurde, neben Waffen und Munition zeigt.
Die Polizei veröffentlichte ein Foto, dass den 34-jährigen Algerier, der im Sauerland festgenommen wurde, neben Waffen und Munition zeigt.(Foto: Polizei/dpa)

Fotos deuten Verbindung zum IS an: Mutmaßliches Terrorpaar bleibt in Haft

Nach der Razzia gegen mutmaßliche Islamisten in Deutschland werden neue Details bekannt. Der Hauptverdächtige und seine Frau reisten demnach mit falschen Papieren ein. Zudem wird ein martialisches Foto des 34-Jährigen veröffentlicht.

Der Hauptverdächtigen einer mutmaßlichen Terrorzelle, der am Donnerstag in einer Flüchtlingsunterkunft im Sauerland verhaftet wurde, bleibt in Haft. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Das Amtsgericht in Dortmund habe eine "Festhalteanordnung" für den in Attendorn verhafteten 34-Jährigen und seine 27 Jahre alte Ehefrau erlassen. Die Kinder wurden von Jugendämtern in Obhut genommen.

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Der Algerier steht im Verdacht, Kopf einer islamistischen Terrorzelle zu sein, die möglicherweise einen Anschlag in Deutschland vorbereiten wollte. Hintergrund der Anordnung ist eine Interpol-Fahndung der algerischen Behörden wegen Mitgliedschaft des Paares in der Terrororganisation IS. Nach Auskunft eines Sprechers des zuständigen Oberlandesgerichts Hamm könnte nun ein Auslieferungsverfahren beginnen.

Das Ehepaar nutzte mehrere Alias-Identitäten. So sei der 34-Jährige außer mit seinem richtigen Nachnamen mit mindestens drei falschen Familiennamen aufgetreten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Seine Ehefrau nutzte demnach mindestens eine Alias-Identität. Die Familie habe bei der Registrierung als Flüchtlinge in Bayern am 28. Dezember gefälschte Pässe vorgelegt, bestätigten die Kreise einen Bericht des "Spiegel". Der Mann habe sich als in Aleppo geborener Syrer ausgegeben.

Gezielt nach Deutschland geschickt?

Die mutmaßliche Terrorzelle war am Donnerstag bei einer Razzia von Hunderten Polizisten in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zerschlagen worden. Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Es gab drei Festnahmen.

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Dem in Berlin festgenommenen Terrorverdächtigen wurde inzwischen ein Haftbefehl verkündet. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Der 49-Jährige war am Donnerstag jedoch nicht wegen möglicher Anschlagsplanungen festgenommen worden, gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung vor. Er hatte Deutschland demnach 2013 verlassen und kehrte ein Jahr später mit falschen französischen Personalien zurück. Danach trat er mehrfach unter unterschiedlichen Identitäten auf. Der Mann war nach Polizeiangaben seit 2000 unter abweichenden Personalien in Berlin bekannt. Ein weiterer Verdächtiger aus Berlin, der jedoch nicht festgenommen wurde, reiste nach ersten Erkenntnissen bereits im Frühjahr 2004 nach Deutschland ein und hat eine befristete Aufenthaltsgenehmigung.

Die beiden im Sauerland verhafteten Terrorverdächtigen wurden möglicherweise gezielt von Planern des IS nach Deutschland geschickt, um Attentate zu verüben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gehen die Ermittler entsprechenden Indizien nach. Einen Beleg dafür haben die Fahnder demnach jedoch nicht - sie erhoffen sich weitere Hinweise aus der Auswertung von Computern und Mobiltelefonen, die sie bei der Anti-Terror-Razzia sichergestellt hatten. Nach Informationen der "Welt" stand der Hauptverdächtige aber in Kontakt zum IS-Planungschef für Terroranschläge im Ausland und wurde zusammen mit ihm fotografiert.

Hinweis vom Verfassungsschutz

Weitere Fotos sollen Hinweise auf die Kampfausbildung eines Verdächtigen liefern. "Die Fotos sind ein Grund, warum wir den Hinweis besonders ernst genommen haben", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Ein Foto belege demnach die militärische Ausbildung eines der Verdächtigen in Syrien. Nach "Spiegel"-Informationen posiert der Hauptverdächtige auf einem der Bilder in "Kampfmontur" neben Leichen. Zudem gebe es ein Foto, das ihn beim Essen mit einer Person aus dem Umfeld der Attentäter zeige, die für die Pariser Terrorserie verantwortlich sein sollen.

Der ursprüngliche Hinweis auf die Männer sei vom Bundesamt für Verfassungsschutz gekommen, sagte der Sprecher der Berliner Polizei. Nach ersten Informationen im Dezember habe es am 10. Januar einen konkreten Hinweis darauf gegeben, dass es sich um mutmaßliche IS-Unterstützer handele und diese möglicherweise in Anschlagsplanungen in Berlin involviert seien. "Wir müssen klären, ob es tatsächlich eine Anschlagsplanung gegeben hat", sagte nun der Sprecher der Berliner Polizei. Jeder, der in das Krisengebiet gereist, militärisch ausgebildet sei und auch Gewalterfahrungen gemacht habe, stelle bei seiner Rückkehr nach Deutschland ein besonderes Problem dar.

Der Hinweis vom 10. Januar "wurde von den ermittelnden Behörden sehr ernst genommen", erklärten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft. Die eingeleitete Überwachung habe dann ergeben, dass sich die Verdächtigen "sehr auffällig und konspirativ verhielten". Daraufhin entschlossen sich die Behörden zu der Großrazzia am Donnerstag.

"Terroristen als Flüchtlinge eingeschleust"

"Wir haben bei den Terroranschlägen in Paris vom 13. November gesehen, dass der IS bewusst Terroristen unter den Flüchtlingen einschleusen will und eingeschleust hat", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen dem ZDF. "Danach haben wir auch wiederholt gesehen, dass Terroristen - man kann sagen camoufliert, verdeckt - als Flüchtlinge eingeschleust werden." Hinweise auf einen kurzfristig geplanten Anschlag habe der Verfassungsschutz nicht. Es habe aber konkrete Hinweise gegeben, "dass es Leute in Deutschland gibt, die Planungen verfolgen, Anschläge zu begehen", sagte Maaßen.

Die Algerier hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft womöglich einen Anschlag in Berlin geplant. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wurde ihr Vorhaben im Frühstadium durchkreuzt, konkrete Anschlagsziele waren noch nicht ausgekundschaftet. Deutschland sei in der Terrorabwehr gut aufgestellt, betonte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, bei n-tv. Auf europäischer Ebene gebe es aber "sicherlich noch erhebliche Optimierungspotenziale". So gebe es kein gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum. Wünschenswert sei eine entsprechende Ausweitung von Europol.

Quelle: n-tv.de

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