Sonntag, 18. Juli 2010
Bundeswehr ließ Sohn "verrecken": Mutter stellt Strafantrag
Am 2. April stirbt Nils B. während eines Feuergefechts mit den Taliban in Afghanistan. Weil der Einheit ihres Sohnes bewusst nicht geholfen wurde, will seine Mutter Politiker und Militärs vor Gericht bringen.
Bei der Trauerfeier für Nils B. benutzte die Kanzlerin erstmals das Wort Krieg.
(Foto: picture alliance / dpa)
Der Tod eines Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan soll nach dem Willen von dessen Mutter ein juristisches Nachspiel haben. Wie der "Spiegel" berichtete, reichte die Mutter eines am Karfreitag in der Nähe von Kundus getöteten Hauptfeldwebels Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Potsdam ein.
Sie sei "nach reiflicher Überlegung und umfassenden Recherchen zu der Überzeugung gelangt, dass der Tod ihres Sohnes zu den gegebenen Umständen hätte verhindert werden können und müssen", heißt es demnach in dem Antrag.
Die Frau wirft der Bundeswehr dem Bericht zufolge schweres Versagen vor: Man habe die Einheit ihres Sohnes "unter bewusster Versagung militärischer Hilfe verrecken lassen", heißt es demnach in dem fünf Seiten langen Schreiben. Der 35-jährige Nils B. war am 2. April während eines Feuergefechts mit Taliban durch einen Sprengsatz getötet worden, im selben Gefecht wurden zwei weitere Bundeswehr-Soldaten getötet. Knapp zwei Wochen später starben erneut vier deutsche Soldaten bei Gefechten in Afghanistan.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dem Magazin, es sei die erste Anzeige einer Angehörigen eines gefallenen Soldaten, die dem Ministerium bekannt sei. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wollte er nicht Stellung nehmen.
AFP
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