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Der Nationale IT-Gipfel ist eine Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zur Stärkung des IT-Standortes Deutschland.
Der Nationale IT-Gipfel ist eine Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zur Stärkung des IT-Standortes Deutschland.(Foto: dpa)

IT-Gipfel blickt in die Zukunft: "Nacktbilder gehören nicht in die Cloud"

Die IT-Branche ist hierzulande der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber, knapp hinter dem Maschinenbau. Fast eine Million Menschen arbeiten dort. Grund genug, sich beim IT-Gipfel mit dem Thema "Digitaler Wandel" zu beschäftigen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat auf dem Nationalen IT-Gipfel davor gewarnt, online zu viele Daten preiszugeben. "Ein Nacktbild gehört einfach nicht in die Cloud", sagte de Maizière in der Hamburger Handelskammer. Man müsse "nicht alles im Internet erledigen". Um Vertrauen in das Netz zu schaffen, müsse ein Verständnis für verschiedene Stufen der Sicherheit entstehen. So könnten schon mit wenigen Maßnahmen wie Passwortänderungen und Verschlüsselung 80 bis 90 Prozent der Gefahren abgewendet werden.

Ob die Kanzlerin ihre Daten in einer Cloud speichert, ist nicht bekannt.
Ob die Kanzlerin ihre Daten in einer Cloud speichert, ist nicht bekannt.(Foto: dpa)

Beim IT-Gipfel diskutieren mehr als 800 Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die Digitalisierung. Thema der Konferenz ist auch die wirtschaftliche Perspektive der Branche. "Wenn man es geschickt macht, entstehen aus jedem neuen Internetprodukt auch wieder neue Arbeitsplätze", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Als Ziele nannte sie bessere Rahmenbedingungen für Start-Ups in Deutschland und einen einheitlichen Datenschutz in Europa. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom arbeiten bis zum Ende dieses Jahres 953.000 Menschen in Deutschland in der IT-Branche.

De Maizière sagte: "Eine totale Offenheit, eine totale Öffentlichkeit jeder Information im Netz ist nicht das, was wir wollen. Menschen brauchen Geheimnisse." Auch staatliche Informationen gehörten nicht alle ins Netz. "Wir müssen das Mantra der Offenheit des Netzes kritischer betrachten, sonst wird das nicht zu Vertrauen führen", sagte de Maizière weiter.

Täglich eine Million Angriffe

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Telekom-Vorstand Thomas Kremer warnte vor zunehmender Wirtschaftskriminalität im Internet. "Wir haben eine steigende organisierte Kriminalität, die versucht, an Informationen aus Unternehmen zu kommen", sagte Kremer. "Das ist ja auch einfacher als ein Banküberfall." Allein die Telekom registriere mit einem Frühwarnsystem etwa eine Million Angriffe am Tag - ein rasanter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Anfällig sei vor allem die Software, die in Unternehmen zum Einsatz komme.

Auch der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Michael Hange, sagte, die Schäden von Angriffen im Internet seien gewachsen. "Es ist ein krimineller Markt entstanden. Wer genug Geld investiert weiß, wie er die Sicherheitsprogramme umgehen kann. Das Bild des edlen Hackers gehört der Vergangenheit an." Dennoch herrsche bei vielen Menschen und Unternehmen "digitale Sorglosigkeit". Verschlüsselung müsse ein Standard werden.

Diesen Widerspruch prangerte auch de Maizière an. "Es besteht eine merkwürdige Zwiespältigkeit: Einerseits wird dem Internet misstraut, andererseits führt das zu keinerlei Verhaltensänderung." Das geplante IT-Sicherheitsgesetz solle daher besseren Schutz vor Cyberangriffen schaffen. Es soll unter anderem dafür sorgen, dass wichtige Branchen gemeinsame Mindeststandards für ihre digitalen Systeme aufstellen.

Der Verband der Computerspielindustrie drängte die Bundesregierung, bei der Förderung des Breitbandausbaus das Tempo zu erhöhen.

Quelle: n-tv.de

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