Dienstag, 11. Oktober 2005
H5N1: Nationaler Krisenstab tagt
Angesichts des Vogelgrippe-Alarms in Rumänien und der Türkei tagt am Mittwoch in Bonn ein Krisenstab von Bund und Ländern. Die Staatssekretäre wollen darüber beraten, ob und wann der Notfallplan eintreten kann, dass Geflügel in Deutschland eingesperrt werden muss. Der zuständige Bundesminister Jürgen Trittin (Grüne) sieht dafür bisher keine Veranlassung.
Das weitere Vorgehen hängt auch von Testergebnissen von Geflügelproben aus Rumänien und der Türkei ab. Die EU-Kommission erwartet die Ergebnisse am Mittwoch. Experten sehen die größte mögliche Einschleppungsgefahr nach Deutschland in illegalen Importen von Geflügel.
Auf den schlimmsten Fall vorbereitet
Die Regierung sei auf den schlimmsten Fall vorbereitet, erklärte der amtierende Verbraucherschutzminister Trittin. Sollte sich herausstellen, dass es sich bei den gemeldeten Fällen um das gefährliche Virus H5N1 handele, würden die nationalen Notfallpläne sofort greifen. Der Seuchenerreger wird von infizierten Tieren weiter verbreitet, kann aber auch durch Eier und Geflügelfleisch oder durch Schuhe und Kleider übertragen werden.
Trittin erneuerte seinen Appell an Reisende, direkte Tierkontakte in Geflügel haltenden Betrieben in den betroffenen Gebieten in Rumänien und der Türkei zu vermeiden und auf den Besuch von Geflügelmärkten zu verzichten.
Bayern verschärft Sicherheitsmaßnahmen
Bayern hat seine Sicherheitsmaßnahmen bereits verschärft. Neben verstärkten Grenzkontrollen soll auch die Beobachtung von Vögeln erweitert werden, um ein möglicherweise bereits eingeschlepptes Virus schneller entdecken zu können, teilte das bayerische Umweltministerium am Dienstag mit. Ab der nächsten Woche sollen auch Geflügelbestände in Freilandhaltung verstärkt beobachtet werden. Untersuchungen von Schleimhaut-Proben von erlegten Wildvögeln sowie Blutproben von Geflügel sollen zur möglichen Entdeckung beitragen.
Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf appellierte zudem an Reisende in betroffene Gebiete, beispielsweise auf Federschmuck als Urlaubserinnerung zu verzichten. "Sonst können Reisende ohne ihr Wissen das Virus im Gepäck haben und unsere Tierbestände gefährden", sagte der Minister. Er wies aber auch darauf hin, dass sich die Gefahrenlage bislang nicht verschärft habe. "Eine Gefährdung der Bevölkerung besteht nicht."
EU-Kommission verhängt Importstopp
Derweil hat die EU-Kommission den schon geltenden Importstopp für Geflügel und Geflügelprodukte aus der Türkei verschärft. Die Kommission beschloss ein Verbot für die Einfuhr lebender Vögel und unbehandelter Federn. Die Mitgliedstaaten müssen das Verbot umgehend umsetzen.
An der seit 2003 grassierenden Vogelgrippe sind in Asien bislang mehr als 60 Menschen gestorben. Vor wenigen Tagen hatte die Vogelgrippe Rumänien und die Türkei erreicht. Bislang ist es aber unklar, ob es sich bei dem in der Türkei gefundenen Erreger auch um einen für den Menschen gefährlichen Viren-Stamm handelt.
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