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In Deir al-Zor kutschiert dieser Junge seine Brüder in einer Schubkarre durch die zerstörte Stadt.
In Deir al-Zor kutschiert dieser Junge seine Brüder in einer Schubkarre durch die zerstörte Stadt.(Foto: REUTERS)

Bürgerkrieg in Syrien: Nato fürchtet Chemiewaffen

Immer wieder wird vermutet, dass das syrische Militär Chemiewaffen gegen die Rebellen im Land einsetzt. Nach britischen Militärexperten und Diplomaten der UN erhebt jetzt auch Israel schwere Vorwürfe gegen das syrische Regime und behauptet, dafür auch Beweise vorlegen zu können.

In der Nato wächst die Sorge, dass die syrische Regierung im Kampf gegen die Opposition zu Chemiewaffen greift. "Wir sind extrem besorgt über den Einsatz von Raketen und den möglichen Einsatz von Chemiewaffen", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. US-Außenminister John Kerry forderte das Militärbündnis auf, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten.

Berichte über einen drohenden Einsatz von Chemiewaffen durch die Truppen von Präsident Baschar al-Assad gab es seit Beginn des blutigen Konflikts vor mehr als zwei Jahren immer wieder. Israels Militärgeheimdienst befeuerte die Sorgen nun erneut. Der Leiter der Abteilung Aufklärung und Analyse, Itai Brun, warf Assad den Einsatz solcher Waffen vor.

Auf einer Sicherheitskonferenz in Tel Aviv verwies Brun auf Symptome, die bei Opfern beobachtet worden sein sollen: "Die zusammengezogenen Pupillen, der Schaum, der aus dem Mund kommt, und andere Anzeichen, die wir gesehen haben, deuten darauf hin, dass tödliche chemische Waffen benutzt werden." Brun machte keine Angaben dazu, wie der Militärgeheimdienst an die Informationen gekommen war.

Westerwelle will Beweise sehen

"Wir haben keine eigenen Erkenntnisse darüber, dass Chemiewaffen tatsächlich eingesetzt worden sind", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle auf einem Treffen mit seinen Nato-Kollegen. "Wer das behauptet, ist aufgerufen, die Erkenntnisse mit der internationalen Gemeinschaft zu teilen." Rasmussen wollte sich nicht explizit zu den Angaben aus Israel äußern, sprach aber doch über die extreme Besorgnis der Nato.

Auch US-Außenminister Kerry zeigte sich beunruhigt. "Wir müssen weiter über die Rolle der NATO im Zusammenhang mit der Syrien-Krise nachdenken", sagte Kerry vor seinen Kollegen. "Wir sollten auch sorgfältig und gemeinsam überlegen, wie die Nato darauf vorbereitet ist, seine Mitglieder vor einer syrischen Bedrohung zu schützen, darunter auch die mögliche Bedrohung durch Chemiewaffen."

Nato will "aufmerksam bleiben"

Das Bündnis hat Patriot-Abwehrraketen in der Türkei stationiert, um das Nato-Mitglied vor Beschuss aus dem benachbarten Bürgerkriegsland zu schützen. Einen Militäreinsatz in Syrien lehnt das Bündnis strikt ab. "Es gibt keine Forderung an die Nato, eine Rolle zu spielen", betonte Rasmussen. Aber die Krise könne "direkt unsere eigene Sicherheit beeinträchtigen. Wir werden daher weiter äußerst aufmerksam bleiben."

Russlands Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich nach einem Treffen mit den Nato-Ministern skeptisch zu den Chemiewaffen-Berichten und forderte, solche Informationen "mit Vorsicht" zu behandeln. Westerwelle rief Russland auf, stärker zu einer Lösung des Syrien-Konflikts beizutragen. Moskau stellte sich etwa im UN-Sicherheitsrat immer wieder schützend vor die Führung in Damaskus. Seit Beginn des Aufstands im März 2011 wurden nach UN-Schätzungen mehr als 70.000 Menschen getötet.

Die Nato beriet auch über Nordkorea und forderte das Land auf, seine Atomwaffen aufzugeben. "Wir mahnen Nordkorea dazu, von weiteren provokativen Handlungen abzulassen", erklärten die Außenminister. Nordkorea hatte nach einem neuerlichen Atomtest in Februar in den vergangenen Wochen wiederholt Angriffsdrohungen gegen Südkorea und die USA ausgesprochen.

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Quelle: n-tv.de

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