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Trauernde vor Mandelas Haus in Johannesburg.
Trauernde vor Mandelas Haus in Johannesburg.(Foto: AP)

Nachruf: Nelson Mandela lebt weiter

Von Manfred Bleskin

Viele der Träume des einst als Terrorist Verunglimpften sind in seiner südafrikanischen Heimat in Erfüllung gegangen. Viele nicht. Nelson Mandela war ein Gigant. Sein Geist lebt.

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Das Leben eines großen, gütigen Menschen hat sich vollendet. Denn wer 27 Jahre auf der Gefängnisinsel Robben Island eingekerkert war und nach seiner Befreiung frei von jedwedem Rachegedanken, ist ein großer, gütiger Mensch.

Dabei hätte Nelson Mandela Grund genug gehabt, seine Kerkermeister und deren Auftraggeber zu hassen. Und sich an ihnen zu rächen. Als er 1964 im Rivonia-Prozess wegen "terroristischer Aktivitäten" verurteilt wurde, verhielt er sich standhaft und verriet seine Mitkämpfer nicht. Damals war er für die westlichen Demokratien das, was er auch für das rassistische Apartheid-Regime war: ein Kaffer, der es wagte, mit Waffengewalt aufzubegehren, weil der friedliche Weg zur Selbstbestimmung versperrt war. Wie muss sich Bill Clinton, wie muss sich Tony Blair gefühlt haben, als sie später dem Giganten im Namen ihrer Länder die Hand schüttelten? Erst kurz vor dem Ende des Regimes in Pretoria hatten ihre Länder sich von diesem abgewandt. Wie groß ist der Gestus des Nelson Mandela, der ihnen trotzdem die Hand reichte!

Toivo Ya Toivo, Führungsmitglied der einst südwestafrikanischen Befreiungsbewegung SWAPO, war für lange Zeit Zellennachbar von Nelson Mandela auf Robben Island. Toivo, der aufgrund der rassistischen Gesetze des von Südafrika de facto annektierten heutigen Namibia gezwungen war, mit Hermann einen "weißen" Namen anzunehmen, beschrieb ihn in Gesprächen mit dem Autor dieser Zeilen als aufrecht, aber eben nicht rachsüchtig.

Mandela wusste, dass ein neues Südafrika nur mit Hilfe der Menschen aller Hautfarben errichtet werden kann. Dafür hat der Sohn eines Xhosa-Häuptlings Zeit seines Lebens gewirkt. Mit Juden litauischer Abstammung wie dem Kommunisten Yossel "Joe" Mashel Slovo. Mit Schwarzen wie ihm: Chris Hani, nach Slovo KP-Chef und zuvor Stabschef der ANC-Guerilla Umkhonto we Sizwe. Mit dem Umkhonto-Mann Jacob Zuma, der heute an der Spitze Südafrikas steht.

Viele der Träume, denen Mandela sein Leben gewidmet hatte, sind bislang nicht in Erfüllung gegangen. Vielen seiner Landsleute geht es heute besser als damals. Vielen nicht. Einige seiner Mitkämpfer sind zu skrupellosen Konzernchefs geworden. Andere, die Mehrheit, stehen unverdrossen für Gerechtigkeit und Freiheit ein. Sie wissen, dass Mandela stets an ihrer Seite stand, auch wenn es ihm der Gesundheitszustand in den letzten Lebensjahren kaum erlaubte, aktiv dafür einzustehen. In Menschen wie ihnen lebt Mandela weiter.

Quelle: n-tv.de

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