Mittwoch, 22. Oktober 2008
Späte Einsichten zum Irak: Neocons räumen Fehler ein
Führende Vertreter der US-Neokonservativen haben krasse Fehler im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg eingeräumt. "Ich hätte nie geglaubt, dass wir das so böse verpatzen würden", sagte Richard Perle, der frühere Direktor des Beratergremiums "Defense Policy Board", der "Zeit".
Perle gilt neben dem früheren Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz und dem hohen Pentagon-Beamten Douglas Feith als führender Vertreter der "Neocons", die als Berater von Präsident George W. Bush den Angriff auf den Irak 2003 maßgeblich unterstützt haben.
Feith sieht den Krieg nach fünf Jahren Dauer ebenfalls kritisch. "Wir haben einen schrecklichen Preis bezahlt, aber nicht wegen des Krieges als solchen, sondern weil er so schlecht gelaufen ist", sagte er der Wochenzeitung. "Und heute glaubt weder Nordkorea noch Iran, dass unsere Diplomatie von glaubwürdigen Drohungen flankiert wird."
"Wir hatten keinen Einfluss"
Wolfowitz wies in dem Bericht die Verantwortung für den Krieg von sich: "Im Gegensatz zu dem, was Sie überall lesen, war ich nicht der Mastermind, der Drahtzieher." Auch Perle, der heute wie Wolfowitz im konservativen American Enterprise Institute arbeitet, äußerte sich ähnlich. "Wir hatten keinen wirklichen Einfluss, obwohl ich mir den sehr gewünscht hätte. Ratschläge wurden gern ignoriert." Die Entscheidungen habe der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld getroffen.
Wolfowitz äußerte sich trotzdem selbstkritisch über die Lageeinschätzung im Irak vor dem Krieg: "Wir kannten den Feind nicht." Perle zählte eine weitere fatale Folge der Fehleinschätzung auf: "Wir wollten Befreier sein, sind aber nach fünf, sechs Monaten zur Besatzungsmacht und Zielscheibe geworden."
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