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Warnt eindringlich vor einem nuklear bewaffneten Iran: Benjamin Netanjahu.
Warnt eindringlich vor einem nuklear bewaffneten Iran: Benjamin Netanjahu.(Foto: REUTERS)

Dramatischer Appell in Yad Vashem: Netanjahu zieht Nazi-Vergleich

Stärker lässt sich eine Botschaft wohl kaum aufladen: In seiner Rede zum Holocaust-Gedenktag greift Israels Regierungschef die Pläne für eine diplomatische Beilegung des Atomstreits mit dem Iran erneut scharf an. Er setzt Teheran auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Holocaust-Gedenktag in Israel zu einem verbalen Angriff auf den Iran genutzt und die politische Führung des Landes mit den Nationalsozialisten verglichen. "So wie die Nazis die Zivilisation auszumerzen suchten und der Herrenrasse die Herrschaft über die ganze Welt verschaffen wollten (...), während sie das jüdische Volk auslöschten, so will der Iran die Region kontrollieren, sich ausdehnen und den jüdischen Staat zerstören", sagte Netanjahu in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bei einer Veranstaltung zum Gedenken an die Überlebenden der Schoah und die Kämpfer des jüdischen Widerstands.

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"Das schlechte Abkommen"

Netanjahu warnte vor "tyrannischen Regimes" und äußerte Zweifel, dass die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen worden seien. "Hat die Welt wirklich aus der unvorstellbaren universellen und jüdischen Tragödie des vergangenen Jahrhunderts gelernt?", fragte Netanjahu. "Das schlechte Abkommen, das mit dem Iran ausgearbeitet wird, lehrt uns, dass die historischen Lehren nicht verinnerlicht worden sind."

Mit diesem Wortlaut griff der erst kürzlich im Amt bestätigte Regierungschef Israels Formulierungen aus seiner umstrittenen Rede vor dem US-Kongress auf, in der er inmitten des eigenen Wahlkampfes die diplomatischen Bemühungen von US-Präsident Barack Obama scharf angegriffen hatte. So wie die demokratischen Staaten vor dem Zweiten Weltkrieg einen schweren Fehler begangen hätten, betonte Netanjahu nun am Gedenktag Jom haSchoah in Yad Vaschem, so werde nun erneut ein Fehler begangen.

Netanjahu ist ein scharfer Kritiker der Atomverhandlungen der fünf UN-Vetomächte und Deutschland mit dem Iran. Er warnt unablässig davor, dass das angestrebte Abkommen, dessen Eckpunkte Anfang April vereinbart wurden, dem Iran den Weg zur Atombombe ebnen werde.

Das Abkommen sieht weitreichende Einschnitte beim iranischen Atomprogramm sowie eine deutliche Ausweitung der internationalen Kontrollen vor. Sobald der Iran die wichtigsten Verpflichtungen erfüllt hat, sollen die in dem Atomstreit verhängten Finanz- und Handelssanktionen weitgehend aufgehoben werden.

Israel begeht jedes Jahr im April den "Gedenktag für die Märtyrer und Heldes des Holocaust". Teil der Gedenkveranstaltungen ist eine Schweigeminute, in der das öffentliche Leben im ganzen Land vollständig zur Ruhe kommt.

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Quelle: n-tv.de

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