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Bauern arbeiten auf den Feldern einer Kooperative in Sariwon. Auf den Schildern steht: "Ein Glück, den großen Führer (Kim Il Sung) als Vater zu haben" und "Ein Glück, den großen General (Kim Jong Il) als Vater zu haben".
Bauern arbeiten auf den Feldern einer Kooperative in Sariwon. Auf den Schildern steht: "Ein Glück, den großen Führer (Kim Il Sung) als Vater zu haben" und "Ein Glück, den großen General (Kim Jong Il) als Vater zu haben".(Foto: AP)

Privatbesitz in der Landwirtschaft: Nordkorea wohl vor Reformen

Es wäre eine Kehrtwende um 180 Grad: Das völlig verarmte Nordkorea will offenbar mit Agrarreformen die Versorgung der Bevölkerung verbessern. Offiziell ist das noch nicht, aber hinter vorgehaltener Hand ist von einer Stärkung der Privatinitiative die Rede. Die Informationen passen ins Bild der neuen Linie unter Kim Jong Un.

Kim Jong Un, der neue Machthaber.
Kim Jong Un, der neue Machthaber.(Foto: dpa)

Das immer wieder unter Hungerkatastrophen leidende Nordkorea plant offenbar umfassende Reformen im Agrarsektor. Ziel sei die bessere Versorgung der Bevölkerung, hieß es im Umfeld der Regierung in Pjöngjang sowie im mit Nordkorea verbündeten China. Demnach sollen Bauern einen Teil ihrer Ernte für sich behalten dürfen, statt sie komplett an den Staat zu liefern. Diesen Teil dürften sie dann in Eigenregie verkaufen, hieß es.

Eine Person, die allerdings anonym bleiben wollte, sagte, dass so die Bauern einen Anreiz hätten, mehr Nahrung zu produzieren. "Sie können dann etwa 30 bis 50 Prozent ihrer Ernte behalten und selbst verkaufen, je nach Region." Derzeit wird der Großteil der Ernte des Landes an die Regierung verkauft. Der Preis dafür ist staatlich festgelegt und liegt weit unter dem Marktpreis.

Zwei Drittel der Bevölkerung hungern

Nach Angaben der Welthungerhilfe haben etwa zwei Drittel der 24,1 Millionen Nordkoreaner nicht genügend zu essen. Ein entsprechender Anteil der zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren ist chronisch unterernährt. Gleichzeitig leistet sich das totalitäre Regime die viertgrößte Armee der Welt sowie ein kostspieliges Atomwaffen- und Raketenprogramm.

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Sollte es zu den Reformen kommen, wäre dies eine Kehrtwende unter dem seit Dezember 2011 regierenden . Unter seinem und Vorgänger war private Produktion ab 2005 strikt verboten.

Hinter den Kulissen wird aber offenbar Kim entmachtet Militärs . Dabei geht es auch darum, wie stark sich das international isolierte Nordkorea am einzigen Verbündeten China orientiert. Vorangegangene Reformen des Regimes waren gescheitert und hatten die Verarmung der Bevölkerung vertieft. So hatte eine Währungsreform Ende 2009 katastrophale Folgen. Zahlreiche Menschen verloren ihre Ersparnisse, die ohnehin schlimme wirtschaftliche Lage verschlechterte sich weiter.

Armeeführung entmachtet

Seit dem Machtwechsel im vergangenen Jahr verdichteten sich Spekulationen über Reformen in dem völlig verarmten Land. Kim entmachtet Militärs Unter Berufung auf "Insider mit Verbindungen nach Pjöngjang und Peking" hieß es damals, Kim Jong Un und sein einflussreicher Onkel Jang Song Thaek wollten der Armee das Kommando über die daniederliegenden Betriebe entziehen und diese einer zivilen Führung unterstellen. In der Regierung wurde demnach ein "politisches Büro" eingesetzt, das den Soldaten die Zuständigkeit für die Betriebe und die Landwirtschaft nehmen sollte. Ein vergleichbares Gremium sei auch in der Kommunistischen Partei geschaffen worden.

Vor allem Generalstabschef Ri Yong Ho habe gegen den Bedeutungsverlust der Armee opponiert und sei deshalb geschasst worden, hieß es weiter. Unter Kims verstorbenen Vater Kim Jong Il galt in der Politik und der Wirtschaft Nordkoreas der Grundsatz "Das Militär zuerst". Das sicherte den 1,2 Millionen Soldaten zählenden Streitkräften den Vorrang vor anderen gesellschaftlichen Gruppen.

Seit Kims Machtantritt beobachten Experten nun eine Stärkung der Politik gegenüber dem Militär. So habe Kim etwa eine neue Riege von Funktionären ernannt. "Auch ein Wer sind die grauen Eminenzen? könnte stattfinden", sagte Paik Hak Soon vom Sejong-Institut in Südkorea. Kim Jong Un wolle eine "eigen Ära beginnen". Kim wurde bereits zum "Marschall der Republik" ernannt. Er ist zudem Chef der Arbeiterpartei und Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission.

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Quelle: n-tv.de

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