Mittwoch, 04. November 2009
Klimagipfel schon gescheitert: Nur Appelle von EU und USA
Die USA und Europa wollen ihre Bemühungen im Kampf gegen die Erderwärmung verstärken. "Wir stimmen alle darin überein, dass wir unsere Anstrengungen in den Wochen bis zum Gipfel in Kopenhagen unbedingt verdoppeln müssen", sagte US-Präsident Barack Obama nach dem USA-EU-Gipfel in Washington. Nur so könne sichergestellt werden, "dass wir einen Rahmen für Fortschritte im Umgang mit einem möglichen ökologischen Desaster schaffen".
Der Weltklimagipfel in Kopenhagen, der am 7. Dezember startet, wird seit zwei Jahren intensiv vorbereitet. Dennoch droht ein Scheitern, weil die großen Akteure wie die USA und die EU sich weigern, konkrete Angebote auf den Tisch zu legen.
Beim halbjährlich stattfindenen USA-EU-Gipfel sprach Obama mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana und dem amtierenden EU-Ratspräsidenten, dem schwedischen Regierungschef Fredrik Reinfeldt. Barroso hatte sich vor dem Treffen mit Obama besorgt über die schleppenden Fortschritte bei den internationalen Verhandlungen geäußert. Er hoffe dennoch, dass auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember eine Grundsatzeinigung zu einem Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll getroffen werde, sagte er. Der Vertrag könne dann wahrscheinlich im kommenden Jahr bei einem Gipfeltreffen in Mexiko unter Dach und Fach gebracht werden.
Ursprünglich sollte bereits in Kopenhagen ein neuer Weltklimavertrag ausgehandelt werden. Dieses Vorhaben ist bereits gescheitert.
"USA wollen von ihrer Untätigkeit ablenken"
Der Direktor des Klimaschutzprogramms der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, Pan Jiahua, warf den USA vor, sich hinter China zu verstecken. Wenn die USA sich nur dann zur Reduktion von Kohlendioxid verpflichten wollten, wenn dies auch China tue, "ist das eine Ausrede, mit der die USA nur von ihrer Untätigkeit ablenken wollen", sagte Pan der "Frankfurter Rundschau".
Laut Pan, der zur wichtigsten Klima-Denkfabrik der chinesischen Regierung gehört, fordert die chinesische Regierung von den Industrienationen, "dass 40 Prozent CO2-Reduktion das Minimum sein sollten. Die entwickelten Nationen müssen mit gutem Beispiel vorangehen, um den Entwicklungsländern vorzumachen, dass ein hoher Lebensstandard nicht automatisch auch hohe Emissionen bedeutet."
China schlage die Einführung von "Kohlenstoffbudgets" vor, eine Idee, die auch der Klimaschutz-Expertenrat der deutschen Regierung in ganz ähnlicher Weise formuliert hatte. Das Prinzip sei einfach: "Man rechnet alle Emissionen der Welt zusammen, bis zu dem Maximum, das unsere Atmosphäre verträgt, und teilt das durch die Weltbevölkerung. So sieht jedes Land, wie viele Emissionen ihm zustehen, wie viele es schon verbraucht und wie viel es noch übrig hat. Die Emissionsrechte können die Länder dann untereinander handeln."
dpa/AFP
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