Politik

Auch im Urlaub im DienstObama muss auf's Image achten

24.08.2010, 11:18 Uhr
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Obama verlässt zusammen mit seiner Frau ein Restaurant auf Martha's Vineyard. (Foto: REUTERS)

Obama entspannt derzeit auf Martha's Vineyard. Oder versucht es wenigstens. Und er macht die Erfahrung, dass ein US-Präsident im Urlaub vieles falsch und wenig richtig machen kann.

Keine Entscheidung des Präsidenten bleibt unkommentiert, nicht einmal die Wahl des Urlaubsorts. Vorbei sind die Zeiten, zu denen sich ein Präsident der USA unbemerkt aus dem Weißen Haus davonstehlen konnte, um sich in sommerlicher Abgeschiedenheit von den Zumutungen des Regierens zu erholen. Denn inzwischen ist auch die Freizeit Politik - und Politik bedeutet eben auch, dass Kritiker nach Angriffsflächen suchen.

Auch im Urlaub tatkräftig

Die Wähler schätzen an ihren Präsidenten den Nachweis von Tatkraft, nicht das Eingeständnis von Erholungsbedürftigkeit. Barack Obama etwa hat sich für diese Woche mit seiner Familie auf die Promi-Insel Martha's Vineyard zurückgezogen - und muss wie viele seiner Vorgänger feststellen, dass ein US-Präsident beim Urlaub vieles falsch und wenig richtig machen kann.

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Was hat Obama in der Buchhandlung gekauft? Dank dem Weißen Haus weiß die Öffentlichkeit nun Bescheid: den neuen Roman von Jonathan Franzen. (Foto: REUTERS)

Obamas Urlaub an einem Tummelplatz der Reichen und Prominenten an der Ostküste sei ein falsches Signal in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, monieren Kritiker. Andere nehmen Anstoß daran, dass die First Family nicht ihren ganzen Sommerurlaub an der Golfküste verbringt, die wegen der Ölpest unter Besucherschwund leidet.

An der Freizeitgestaltung der US-Präsidenten lässt sich ablesen, wie sehr sich die Anforderungen des Amts im Laufe der Zeit gewandelt haben. Der legendäre Präsident Abraham Lincoln konnte sich noch erlauben, ein Viertel seiner Amtszeit in einem Landhaus im grünen Hügelland vor Washington zu verbringen. Franklin D. Roosevelt ließ sich weder von der Großen Depression noch vom Zweiten Weltkrieg von seinen geliebten Angeltouren abhalten.

Nach dem Weltkrieg gerieten urlaubende US-Präsidenten zunehmend unter Rechtfertigungszwang. Dwight D. Eisenhower etwa wurde für seine Golf-Exkursionen gerügt. Lyndon B. Johnson, Ronald Reagan und George W. Bush mussten sich bösen Spotts über die häufigen Abstecher auf ihre Ranchs erwehren.

"Urlaub" in Anführungszeichen

Obamas Umfeld ist deshalb bemüht, den Präsidenten keineswegs als Ferienfaulenzer erscheinen zu lassen. "Der Präsident wird sich ein wenig Zeit nehmen, seine Batterien wieder aufzuladen", warb Obamas Sprecher Bill Burton um Verständnis - und schob hinterher: "Wenn man über einen Urlaub des Präsidenten spricht, muss man das Wort 'Urlaub' natürlich in Anführungszeichen setzen, weil er jeden Tag Arbeit zu erledigen hat." Tatsächlich ist Obama mit einer ganzen Entourage aus Beratern nach Martha's Vineyard gereist.

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Bei Golfen lädt Obama seine Batterien auf. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Manche Präsidenten versuchten, den Urlaub zur Imagepflege zu nutzen. Ronald Reagan etwa ließ sich auf seiner Ranch gerne hoch zu Pferde ablichten, und George W. Bush ließ sich dabei filmen, wie er mit der Kettensäge den Kampf gegen das Unterholz aufnimmt. Die Bilder suggerieren, dass Präsidenten richtig zupacken können. Bill Clinton verzichtete auf dringenden Rat seiner Meinungsforscher 1996 auf die gewohnte Auszeit auf Martha's Vineyard und ging auf Wildwest-Urlaub in Wyoming, wo es volkstümlicher und weniger elitär zugeht.

Den Feingeist Obama mag sich keiner so recht als Freizeit-Cowboy oder als Ferien-Rancher auf Kreuzzug gegen das Unkraut vorstellen. Er zeigte sich den Bürgern auf Martha's Vineyard vielmehr beim Besuch einer Buchhandlung, wo er einer offiziellen Mitteilung des Weißen Hauses zufolge den neuen Roman des sozialkritischen Schriftstellers Jonathan Franzen erwarb. Ausgiebig verbringt Obama zudem Zeit auf dem Golfplatz, allein am Samstag waren es fünf Stunden.

Politik durchdringt Freizeit

Darin unterscheidet sich Obama von seinem Vorgänger Bush, der das Golfspiel während des Irak-Kriegs aus Imagegründen aufgegeben hatte. In einem Interview kurz vor Ende seiner Amtszeit hatte Bush seltenen Einblick gegeben, wie weit die Politik in die Freizeit eindringt. "Während eines Krieges Golf zu spielen, sendet einfach das falsche Signal aus", sagte Bush 2008 dem Internetmagazin "Politico". "Ich will nicht, dass eine Mutter, deren Sohn gefallen ist, den Oberbefehlshaber beim Golfspielen sieht."

Quelle: Peter Wütherich, AFP