Sonntag, 08. März 2009
Moderate Talibankämpfer: Obama offen für Kontakte
US-Präsident Barack Obama erwägt bei der gegenwärtigen Überprüfung der Afghanistanpolitik auch eine Annäherung an moderate Talibankämpfer. In einem Interview mit der "New York Times" meinte Obama, "Teil des Erfolges im Irak schließt die Annäherung an Leute ein, die wir als islamische Fundamentalisten ansehen würden". Zwar sei die Lage in Afghanistan schwieriger als im Irak. Dennoch "könnte es vergleichbare Chancen in Afghanistan und in der Region Pakistan geben."
Zugleich räumte Obama offen ein, dass sich die USA derzeit in Afghanistan nicht auf der Siegerstraße befinden. Auf die Frage, ob die USA derzeit den Krieg gewinnen, antwortete Obama mit "Nein". Er fügte hinzu: "Unsere Truppen machen in einer sehr schwierigen Situation einen außerordentlichen Job. Aber wir haben in den vergangenen Jahren eine Verschlechterung der Lage erlebt. Die Taliban sind (heute) dreister als sie waren."
Karsai begrüßt Vorstoß
Afghanistans Staatschef Hamid Karsai begrüßte die Äußerungen Obamas. Es seien gute Nachrichten, wenn Obama im Rahmen seiner Afghanistanpolitik eine Aussöhnung sowie Friedensgespräche mit moderaten Taliban in Betracht ziehe, erklärte Karsai in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Seine Regierung vertrete diese Position seit langem und unterstütze den Vorstoß, damit Frieden und Stabilität nach Afghanistan zurückkehren könnten. "Die Taliban, die keine Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida haben und die unser Land nicht zerstören wollen, sind willkommen", sagte Karsai weiter.
Bereits im Wahlkampf hatte Obama für eine Annäherung an moderate Taliban plädierte, auch Verteidigungsminister Robert Gates hatte sich in den vergangenen Wochen bereits ähnlich geäußert. Obama betonte, er wolle der gegenwärtigen Überprüfung der Afghanistan-Strategie durch die Militärs nicht vorgreifen. "Aber die Lage in Afghanistan ist ... komplexer" als im Irak. So hätten dort etwa lokale Stämme einen historischen Hang zur Unabhängigkeit von der Staatsmacht.
"Kl ügere Pakistanpolitik" angestrebt
Zugleich machte Obama aber unmissverständlich deutlich, dass verhindert werden müsse, dass Terroristen und Al-Kaida-Kämpfer die afghanisch-pakistanische Grenzregion als Rückzugsgebiet nutzen. "Eine neue Afghanistanpolitik wird im Kern eine klügere Pakistanpolitik bedeuten."
Zur Wirtschafts- und Finanzkrise meinte Obama, er könne den Amerikanern nicht versprechen, dass es in diesem Jahr Wachstum geben wird. Die Regierung bemühe sich aber, alle Voraussetzung für eine Erholung zu schaffen. Zugleich versuchte er, seinen Landsleuten Mut zuzusprechen. "Ich glaube nicht, dass die Menschen angstvoll in die Zukunft schauen müssen...Ich glaube nicht, dass die Menschen plötzlich allen unseren finanziellen Institutionen misstrauen sollen."
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