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Viele Amerikaner zeigten nach dem Urteil ihre Solidarität mit dem getöteten Trayvon Martin.
Viele Amerikaner zeigten nach dem Urteil ihre Solidarität mit dem getöteten Trayvon Martin.(Foto: REUTERS)

Demonstrationen nach Zimmerman-Urteil: Obama ruft zur Besonnenheit auf

Der Todesschütze von Trayvon Martin ist ein freier Mann. Das können viele Amerikaner nicht verstehen und gehen deshalb auf die Straße. Obama versucht die Gemüter zu beruhigen: "Wir sind ein Rechtsstaat und eine Jury hat ein Urteil gefällt."

Der Freispruch des Todesschützen des schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin sorgt für heftige Reaktionen in den USA. In zahlreichen Städten wurden erneut Demonstrationen gegen das Urteil angekündigt, darunter etwa Boston, Detroit, Baltimore und San Francisco, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. US-Präsident Barack Obama appellierte indes an alle Amerikaner, in Ruhe darüber nachzudenken, wie weitere Gewalttaten verhindert werden könnten. Der Fall hatte eine breite Debatte über Rassismus ausgelöst.

Hätte er einen Sohn, sähe dieser aus wie Trayvon, sagte Obama einst.
Hätte er einen Sohn, sähe dieser aus wie Trayvon, sagte Obama einst.(Foto: dpa)

"Der Tod von Trayvon Martin war eine Tragödie", sagte Obama. Er sei es nicht nur für dessen Familie, sondern für Amerika. "Ich weiß, dass dieser Fall heftige Emotionen ausgelöst hat. Und ich weiß, dass diese Emotionen angesichts des Urteils noch heftiger werden könnten. Aber wir sind ein Rechtsstaat und eine Jury hat ein Urteil gefällt."

Nun müsse ruhig darüber reflektiert werden, wie Waffengewalt eingedämmt werden könne. "Wir sollten uns fragen, als Individuen und als Gesellschaft, wie wir in Zukunft Tragödien wie diese verhindern können", fügte er hinzu. Dies sei der richtige Weg, Trayvon Martin Anerkennung zu erweisen.

Schütze beteuert: Es war Notwehr

Martin war am Abend des 26. Februar 2012 von dem Hispano-Amerikaner George Zimmerman, einem bewaffneten Mitglied einer Bürgerwehr auf Patroullie in Sanford, erschossen worden. Zuvor hatte es eine Reihe von Einbrüchen in der Gemeinde gegeben. Der unbewaffnete Jugendliche befand sich zum Zeitpunkt des Vorfalls aber auf dem Weg von einem kleinen Einkauf nach Hause. Polizei hatte Zimmerman nach dem Vorfall zunächst laufen lassen, da in Florida ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung mit Schusswaffen gilt.

Zimmerman beteuert, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Er habe in Notwehr gehandelt, sagte das Bürgerwehrmitglied. Die Anklage hatte dagegen argumentiert, der Mann habe den Jungen verfolgt und dann getötet.

Der Fall sorgte in den USA für großes Aufsehen, da der Verdacht bestand, dass bei der Tat und beim anschließenden Umgang der Polizei mit dem Fall Rassismus im Spiel war. Auch Barack Obama schaltete sich ein. "Wenn ich einen Sohn hätte, sähe er Trayvon ähnlich", sagte der erste schwarze US-Präsident. Martins Eltern werfen den Behörden vor, nicht angemessen ermittelt zu haben, weil ihr Sohn schwarz war.

Am Samstag wurde Zimmerman dann vom Vorwurf des Todschlags freigesprochen. Die sechs Frauen in der Jury, darunter fünf Weiße, mussten einstimmig über Schuld und Unschuld des angeklagten Nachbarschaftswächters entscheiden. Bei einem Schuldspruch hätte Zimmerman lebenslange Haft gedroht. Zuletzt befand er sich gegen eine Kaution von einer Million Dollar auf freiem Fuß.

Martins Eltern reagierten bestürzt auf das Urteil. Die Familie sei "zutiefst traurig", die Jury-Entscheidung breche ihr das Herz, sagte ihr Anwalt Benjamin Crump.

Demonstrationen in zahlreichen Städten

In der kalifornischen Metropole San Francisco setzten danach hunderte Demonstranten ein Zeichen der Solidarität mit Martins Familie. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot strömten sie kurz nach dem Urteilsspruch im Stadtzentrum zusammen. Viele trugen Transparente mit der Aufschrift "Das Volk sagt 'schuldig'". Im benachbarten Oakland blieb es nicht so ruhig. Einige Demonstranten besprühen Autos und zertrümmern Fensterscheiben, wie ein Video auf der Website der Zeitung "Oakland Tribune" zeigte.

In Washington, Chicago und am New Yorker Times Square bieiben die Spontan-Proteste hingegen friedlich. Auch die rund 200 Demonstranten in einem Schwarzen-Viertel in Los Angeles ließen sich nicht zu Gewalttaten hinreißen. Die Polizei hatte vorsorglich einen "taktischen Alarmzustand" für das gesamte Stadtgebiet ausgerufen. Dabei spielte sicherlich die Erinnerung an die tagelangen Rassenunruhen eine Rolle, welche die Stadt 1992 erschütterten. Damals starben mehr als 50 Menschen.

Die Gewalt war ausgebrochen, nachdem mehrere weiße Polizisten, die den Schwarzen Rodney King 1991 wegen zu schnellen Fahrens gestoppt und dann brutal zusammengeschlagen hatten, freigesprochen worden waren. Zwei der Polizisten wurden schließlich in einem neuen Verfahren zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, außerdem erhielt King eine Millionen-Entschädigung.

Der Bürgerrechtsaktivist Al Sharpton wollte sich mit dem Freispruch für Zimmerman nicht zufrieden geben. "Wir werden das Justizministerium auffordern vorzugehen wie im Fall Rodney King", erklärte Sharpton nach der Urteilsverkündung auf Facebook. Den Freispruch bezeichnet er in seiner Kurznachricht als "eine Ohrfeige für das amerikanische Volk". Todd Jealous, Chef der größten US-Bürgerrechtsgruppe NAACP, erklärte, seine Organisation werde sich beim Justizministerium in Washington dafür einsetzen, dass Zimmerman wenigstens zivilrechtlich belangt werde. Der legendäre Bürgerrechtler Jesse Jackson rief derweil via Twitter zu Besonnenheit "in dieser Zeit der Verzweiflung" auf. "Vermeidet Gewalt, sie wird zu weiteren Tragödien führen."

Quelle: n-tv.de

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