Donnerstag, 12. November 2009
Afghanistan-"Kriegsrat": Obama verwirft alle Entwürfe
Rund 100.000 ausländische Soldaten sind zur Zeit am Hindukusch stationiert, darunter rund 68.000 amerikanische. Wie viele zusätzliche Truppen will US-Präsident Obama noch schicken? Darauf hat er bislang keine Antwort gefunden.
Präsident Obama sucht nach der richtigen Afghanistan-Strategie.
(Foto: AP)
US-Präsident Obama hat sich bei neuen Beratungen mit Sicherheitsberatern noch nicht entschieden, wie viele Truppen er zusätzlich nach Afghanistan schicken will. Obama müsse die verschiedenen Möglichkeiten noch abwägen, erklärte das Präsidialamt. Regierungsmitarbeitern zufolge wächst unter den führenden zivilen und militärischen Beratern die Zustimmung für die Entsendung von zusätzlich mindestens 30.000 Soldaten. Allerdings blieb weiter unklar, in welche Richtung Obama selbst tendiert.
Angesichts der öffentlichen Kritik am afghanischen Präsidenten Hamid Karsai warnte das US-Präsidialamt, das Engagement der USA in dem Land sei nicht unbefristet. Die Regierung in Afghanistan müsse ihre Arbeit in einem vernünftigen Zeitraum verbessern, hieß es.
Der britische Premierminister Gordon Brown hatte vor den Beratungen gesagt, Obama werde in wenigen Tagen seine Entscheidung über eine Truppenaufstockung bekanntgeben. Dagegen hatte US-Präsidialamtsprecher Robert Gibbs am Dienstag erklärt, Obama habe sich noch nicht festgelegt und von einer öffentlichen Verlautbarung sei man noch Wochen entfernt.
Nach den USA und Großbritannien ist Deutschland drittgrößter Truppensteller am Hindukusch.
Skepsis bei Eikenberry
Der US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, warnte derweil vor der Entsendung zusätzlicher US-Soldaten nach Afghanistan. Zunächst sollten Fortschritte der afghanischen Regierung im Kampf gegen Korruption und Missmanagement abgewartet werden. Eikenberry machte seine Bedenken in der vergangenen Woche in zwei vertraulichen Schreiben deutlich, berichteten "New York Times" und "Washington Post" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.
Mit seinen Bedenken gegen eine weitere Truppenaufstockung stellte sich Eikenberry, der frühere Oberkommandierende der US-Truppen in Afghanistan, klar gegen Einschätzungen seines Nachfolgers, General Stanley McChrystal, der die Entsendung von zusätzlich 40.000 US- Soldaten an den Hindukusch vorgeschlagen hatte.
In einer Erklärung des Weißen Hauses hieß es, dass der afghanischen Regierung klargemacht werden müsse, dass der US- Einsatz nicht unbefristet sei. Nach jahrelangem "beachtlichen Einsatz des amerikanischen Volks", müsse sich die Staatsführung in Afghanistan in "angemessener" Zeit verbessern.
rts/dpa
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