Politik
Bernd Schlömer redet seinen Parteifreunden ins Gewissen.
Bernd Schlömer redet seinen Parteifreunden ins Gewissen.(Foto: picture alliance / dpa)

Parteitag soll die Wende bringen: Ober-Pirat Schlömer fasst neuen Mut

Erst vor wenigen Tagen gab Piraten-Chef seine Partei noch auf: In einem Interview zeigte er sich völlig desillusioniert von den Chancen auf Einzug in den Bundestag. Neue Umfragen gaben ihm Recht. Doch nun, kurz vor dem Parteitag in der Oberpfalz, bläst Schlömer zu einem neuen Angriff auf das Polit-Establishment - und versucht Bündnisse mit den Etablierten zu enttabuisieren.

Piraten-Chef Bernd Schlömer hat seine kriselnde Partei dazu aufgerufen, sich nicht mit einer Außenseiterrolle zufrieden zu geben. "Macht ist nicht automatisch Negatives. Sie ist wichtig und wir sollten selbstbewusst dazu stehen", sagte Schlömer der "Welt" kurz vor dem Bundesparteitag in Bayern. Die Piraten müssten sich mittelfristig auch die Frage nach Koalitionsoptionen stellen. "Dabei sollte man niemanden ausschließen, sofern er verfassungstreu ist und es inhaltlich passt."

Die Piraten hatten zuletzt vor allem mit Personalquerelen Schlagzeilen gemacht und waren in Umfragen deutlich abgestürzt. Auf ihrem an diesem Freitag beginnenden Parteitag in Neumarkt in der Oberpfalz wollen sie einen Weg aus der Krise finden. Schlömer hatte die Lage der Partei jüngst in einem Interview schonungslos beschrieben: "Uns fehlt die Kraft und die Motivation für den Wahlkampf."

Nun schlug der Parteichef motivierendere Töne an und bekräftigte auch seinen eigenen Führungsanspruch: "Ich glaube schon, dass ich der richtige Vorsitzende in der richtigen Zeit bin", sagte er den "Stuttgarter Nachrichten". Er warb dafür, künftig auch Online-Parteitage abzuhalten. Dies wäre ein wichtiges Signal an die Öffentlichkeit und würde "die anderen Parteien unter Handlungsdruck setzen".

Ponader geht - und will doch bleiben

Neben der Beratung des Wahlprogramms wollen die Piraten zum Auftakt ihres dreitägigen Treffens einen neuen politischen Geschäftsführer wählen. Der umstrittene Johannes Ponader gibt das Amt auf. Dem Berliner wird erhebliche Mitschuld am Niedergang der Partei in den Umfragen gegeben. Nach derzeitigem Stand würden die Piraten den Einzug in den Bundestag klar verpassen: Im Forsa-Wahltrend von "Stern/RTL" lagen die Netzaktivisten diese Woche bei nur noch zwei Prozent. Zuletzt hatten sie im Januar bei der Landtagswahl in Niedersachsen mit 2,1 Prozent eine Schlappe einstecken müssen.

Ponader war in den vergangenen Monaten im Zentrum quälender Personaldebatten gestanden und wiederholt zum Rücktritt aufgefordert worden. In der ZDF-Sendung "Lanz" sagte er zuletzt, er wolle sich weiter in die Partei einbringen: "Ich glaube nicht, dass es das war." Auch Schlömer sprach sich dafür aus, dass Ponader der Piratenpartei "mit seiner Gestaltungskraft" erhalten bleibt. Bisher gibt es sieben Kandidaten für den Geschäftsführer-Job.

Zum Parteitag werden etwa 1500 Piraten erwartet. Bei dem Treffen wollen die Piraten ihr Programm für die Wahl am 22. September beschließen. Dazu liegen über 250 Änderungsanträge vor. Der Vorstand will versuchen, teils chaotische Zustände wie beim Bochumer Parteitag zu verhindern. Neben ihren Kernthemen Internet, Datenschutz und Bürgerrechte wollen die Piraten auch Antworten für den Arbeitsmarkt oder die Außenpolitik geben. Heftige Debatten werden in Neumarkt über den Aufbau einer internen Online-Plattform erwartet, auf der die Mitglieder permanent den Kurs der Partei bestimmen sollen.

Quelle: n-tv.de

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