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Russ: "Sie haben nun Anspruch auf einen ordentlichen Schluck aus der Pulle beim Gehalt."
Russ: "Sie haben nun Anspruch auf einen ordentlichen Schluck aus der Pulle beim Gehalt."(Foto: dpa)

Lohnverzicht wegen Flüchtlingskrise?: Öffentlicher Dienst will sechs Prozent mehr

Müllabfuhr, Stadtverwaltungen, Straßenreinigung - für die Beschäftigten in zentralen Bereichen des öffentlichen Dienstes geht es bald wieder ums Geld. Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr - wegen der "enormen Mehrbelastung".

Die Gewerkschaften fordern für die mehr als zwei Millionen Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen ein Lohnplus von sechs Prozent. Dies gab Verdi-Chef Frank Bsirske in Berlin nach Beratungen der Tarifkommissionen bekannt. Hinzu kommen soll eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro pro Monat.

Bsirske sagte, nach erfolgreicher Ausbildung sollten die Azubis unbefristet übernommen werden. Sachgrundlose Befristungen sollten ausgeschlossen werden. Die Verhandlungen fänden in vergleichsweise guter konjunktureller Lage statt. "Die bevorstehende Einkommensrunde muss die angespannte Lage im öffentlichen Dienst berücksichtigen", sagte auch dbb-Vizechef Willi Russ. "Die Mitarbeiter machen unter dem Druck der vielen Flüchtlinge in Deutschland einen verdammt guten Job", sagte Russ. "Sie haben nun Anspruch auf einen ordentlichen Schluck aus der Pulle beim Gehalt."

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere nannte die Tarifforderung "inakzeptabel". Die Forderungen seien im Vergleich zu anderen Branchen unerwartet hoch, erklärte de Maiziere in Berlin. Für den Bund bedeute dies Kosten in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro. "Das ist von einem akzeptablen Ergebnis weit entfernt", kritisierte der CDU-Politiker. Tarifabschlüsse mit Augenmaß seien das Gebot der Stunde. Der viel zu hohe Einstieg in die am 21. März startenden Tarifverhandlungen mache ein Ergebnis nicht besser, sondern verlängere die Gespräche.

Auch der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle, wies die Forderungen von Verdi und dem Beamtenbund zurück. Für die Kommunen ergebe sich aus der Lohnforderung Kosten von 5,6 Milliarden Euro. "Das ist für uns nicht darstellbar", sagte Böhle.

Die Tarifverhandlungen beginnen Mitte März in Potsdam. Es geht um den Lohn der 2,14 Millionen Beschäftigten in den Kommunen und kommunalen Unternehmen und der 147.000 Arbeitnehmer des Bundes. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände hatte die Gewerkschaften zuvor zur Zurückhaltung aufgerufen und auf die angespannte Lage der Städte und Gemeinden infolge der Flüchtlingskrise verwiesen.

Quelle: n-tv.de

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