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Er hat es der Welt wieder einmal gezeigt. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il ließ am 9. Oktober einen Atomtest durchführen.
Er erreichte damit, dass sein stalinistisches Regime im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit steht. Vor allem Nordkoreas Nachbarn sind beunruhigt.
In den vergangenen Jahren kamen keine guten Nachrichten aus Pjöngjang. Das ökonomisch marode Nordkorea rasselte immer lauter mit dem Säbel.
Der 65-jährige Diktator setzte immer mehr auf militärische Macht.
Mit seinen 23 Millionen Einwohnern leistet sich Nordkorea - offizieller Name ist Demokratische Volksrepublik Korea - eine Armee mit mehr als einer Million Soldaten.
Begründet wird diese Politik mit der "wachsenden Bedrohung durch den USA-Imperialismus und seiner südkoreanischen Helfershelfer".
Zwischen Nord- und Südkorea gibt es keinen Friedensvertrag. Nach dem Korea-Krieg (1950 bis 1953) wurde zwischen beiden Staaten lediglich ein Waffenstillstand vereinbart.
Am 48. Breitengrad wurde eine demilitarisierte Zone eingerichtet. Dennoch wächst in Südkorea die Angst vor einem nordkoreanischen Angriff.
Und die Angst ist nicht unbegründet. Das Regime in Pjöngjang trieb sein Atomwaffenprogramm voran. Auf diesem Bild ist die Atomanlage in Yongbyon zu sehen.
Eine Interkontinentalrakete des Typs "Taepodong-2" soll - mit einem Atomsprengkopf bestückt - sogar die Westküste der USA erreichen können.
Auf internationale Empörung stieß die Tatsache, dass Nordkorea 2005 die Atomgespräche der beiden koreanischen Staaten mit China, Japan, den USA und Russland verließ.
Vor allem in Südkorea kam es zu massiven Protesten gegen das Regime von Kim Jong-il. Der nordkoreanische Machthaber wird dort als größte Bedrohung angesehen.
Demonstration vor dem ...
... Außenministerium in Seoul.
Die nordkoreanische Propagandamaschine läuft auf Hochtouren. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die USA werden als Bedrohung angesehen.
Die bilateralen Gespräche verliefen 2005 erfolglos. Hier wartet Nordkoreas Chefdelegierter Kim Man-gil an der Grenzstadt Kaesong auf seinen südkoreanischen Kollegen.
Südkorea bereitet sich auf den möglichen Ernstfall vor. Sein Militär soll einen neuen Marschflugkörper entwickelt haben. Dieser soll allerdings neben Zielen in Nordkorea auch Teile von Japan, China und Russland erreichen können.
Erst im September 2006 wurde bekannt, dass Südkorea eine "Cheonryong" (Himmelsdrache) benannte Cruise Missile mit einer Reichweite von 500 Kilometern entwickelt hat.
Vorbei ist die Phase der so genannten "Sonnenscheinpolitik" des damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung.
Er hatte im Jahr 2000 Pjöngjang besucht und dort mit Kim Jong-il gesprochen.
Zwischen beiden Staaten wurde damals u.a. die Erneuerung der Verkehrsverbindungen vereinbart. Sie waren jahrzehntelang außer Betrieb.
Kurzfristig waren auch Besuche von durch die Teilung Koreas getrennt lebenden Familienangehörigen möglich.
Ankunft von Südkoreanern auf dem Pjöngjanger Flughafen.
Die Hoffnung auf eine Öffnung Nordkoreas erfüllte sich aber nicht. Die nordkoreanische Kultur ...
... ist von der Verherrlichung Kim Jong-ils und seines verstorbenen Vaters Kim Il-sung geprägt.
Nordkorea hat einen kommunistischen Personenkult hervorgebracht, der an Fanatismus selbst den Kult um Mao Tse-tung in China oder Josef Stalin in der ehemaligen Sowjetunion übertrifft.
Das Parlament ist nur formell das höchste Machtorgan des Staates. Es tritt allerdings nur maximal zwei Mal im Jahr zusammen.
Die Regierungsgewalt wird von der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) ausgeübt. Es herrscht im Reiche der Kims offiziell der "demokratische Zentralismus".
In Nordkorea existiert eine totalitäre Diktatur. Kim Jong-il wurde allerdings nicht Präsident.
Dieser Posten wurde Kim Il-sung, dem "Ewigen Präsidenten", vorbehalten.
Denkmäler des "Großen Führers" - so die offizielle Bezeichnung Kim Il-sungs in Nordkorea - sind auf ...
... allen öffentlichen Plätzen zu finden.
Parade in Pjöngjang anlässlich des 60. Jahrestages des Gründung der Staatspartei.
Unvergessen sind auch solche Bilder: Kollektives Weinen nach dem Tod Kim Il-sungs im Jahre 1994.
Kim Jong-il war bereits seit 1974 offiziell Nachfolgers seines Vaters. Er nahm den Titel des "Geliebten Führers" an.
Kim Il-sung hatte seine Herrschaft mit seinem eigenen Denken untermauert. Man nennt es "Kimilsung-joo-eui" (Kimilsungismus). Der geläufigere Name lautet allerdings "Juche" (Selbstvertrauen).
Die "Juche"-Ideologie war Basis für den eigenwilligen kommunistischen Weg Nordkoreas. Sie bedeutete auch eine gewisse Abgrenzung von den kommunistischen Hauptmächten Sowjetunion und China. "Juche" sei selbst dem Leninismus überlegen, wurde propagiert.
Sie beförderte aber auch den Personenkult um beide Kims. Hier ein Foto Kim Jong-ils auf einem Buch mit dem Titel "Der große Lehrer der Journalisten", das 1983 veröffentlicht wurde.
Wie sein Vater führt auch Kim Jong-il Nordkorea mit harter Hand. Er stützt sich dabei auf das Militär.
Rund 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen dem Militärhaushalt des Landes zufließen. Dies gibt es in keinem anderen Land.
Die Nordkoreaner sehen sich einer ideologischen Gehirnwäsche ausgesetzt. Ihnen wird suggeriert, ...
... sie lebten in paradiesischen Verhältnissen. Die Menschen glauben mehrheitlich den Verheißungen des "Geliebten Führers". Durch die staatliche Medienkontrolle kommen sie zumeist an keine unabhängigen Informationen.
Aber die Wirklichkeit sieht in Nordkorea anders aus. Vor allem in den 1990er Jahren herrschte auf Grund von Missernten akute Lebensmittelknappheit.
Große Teile der Bevölkerung litten Hunger. Viele Menschen fanden in diesen Jahren den Tod.
Das Ausland schickte Hilfsgüter in das hermetisch abgeriegelte Land. Damit konnte die Not etwas gelindert werden.
Lieferungen aus China passieren eine Brücke, die über den chinesisch-nordkoreanischen Grenzfluss Tumen führt.
Verteilung von Hilfsgütern in einer nordkoreanischen Ortschaft. Ein großes Problem war, dass das Pjöngjanger Regime die Oberhoheit über die Verteilung der Lebensmittel behalten wollte.
Erfolgsbilder: Dieser Familie ...
... und diesen Kindern konnte durch das UN-Welternährungsprogramm geholfen werden.
Die Probleme sind aber geblieben. Nordkorea hat zumeist eine völlig veraltete Industrie ...
... und eine uneffektive Landwirtschaft. Trotz zuletzt besser ausgefallener Ernten bleibt das Land auf ausländische Lebensmittelhilfe angewiesen.
Daran ändern auch solche Propagandabilder nichts. Kim Jong-il beim Besuch eines ...
... Gewächshauses einer Militärbasis.
Die Wirklichkeit ist eine andere: Feldarbeit in der Nähe von Pjöngjang.
Immer wieder sorgen Naturkatastrophen für schwere Rückschläge.
Daran ändert auch der Einsatz von Soldaten, die zu Tausenden auf die Felder abkommandiert werden, nichts.
Ideologie macht die Menschen nicht satt. Dennoch folgt die übergroße Mehrheit der Nordkoreaner ...
... dem Regime bedingungslos.
Die körperlich schwere Arbeit - hier im Rahmen des UN-Programms "Nahrungsmittel für Arbeit" - wird ...
... natürlich politisch-ideologisch begleitet. Der Staat überlässt nichts dem Zufall.
Kim Jong-il in seiner Lieblingspose. Hier gemeinsam mit Mitgliedern der Luftwaffeneinheit 447 der Koreanischen Volksarmee.
Sein Regime inszenierte in der jüngsten Vergangenheit ...
... anti-amerikanische Proteste. Hier eine Massendemonstration der Einwohner Pjöngjangs am 25. Juni 2003.
Kritik an der Führung werden streng bestraft. Hier ein Satellitenbild eines Gefangenenlagers in Nordkorea. Menschenrechtsgruppen berichten von mehreren Lagern.
Gefangen sind auch Menschen auf Grund ihres Glaubens. In Nordkorea gibt es keine Religionsfreiheit.
US-Präsident George W. Bush zählt Nordkorea zur "Achse des Bösen". Er verlangt von Pjöngjang die sofortige Einstellung des Atomwaffenprogramms.
UN-Botschafter John Bolton arbeitete maßgeblich an der Verhängung von Sanktionen gegen Nordkorea mit.
Kim hat international an Kredit verspielt. In Erinnerung ist noch der Besuch der ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright im Jahr 2000 in Pjöngjang.
Aber Kim behielt seinen Atomkurs bei. Dieser ist für die Vereinigten Staaten völlig inakzeptabel.
Einen harten Kurs fährt auch Japan (hier der ehemalige Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei einem Besuch in Pjöngjang im Jahre 2002).
Grund des kompromisslosen Verhaltens der Regierung in Tokio sind auch die Entführungen von Japanern und Südkoreanern nach Nordkorea. Einige der Entführten sind bis heute nicht in ihre Heimat zurückgekehrt.
Die Rückkehr Nordkoreas an den Verhandlungstisch wurde aber durch das Verhalten Chinas möglich.
Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao hatte bislang erfolglos versucht, Nordkorea zum Einlenken zu bewegen. Peking ist nicht an einer Verschärfung der Spannungen vor seiner Haustür interessiert.
Schon an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze ...
... wird ein Gefälle offenbar, das größer kaum sein kann: Die ökonomische Supermacht der Zukunft, China, ...
... und das wirtschaftlich rückständige und völlig isolierte Nordkorea.
Noch gibt es an der gemeinsamen Grenze keine Spannungen. Von der chinesischen Grenzstadt Dandong aus fotografierte nordkoreanische Soldaten ...
... einmal ganz anders.
Das Wohlwollen Chinas ist so eine Art Lebensversicherung für das Regime von Kim Jong-il.
Das weiß der Diktator. Er bemüht sich zudem um gute Beziehungen zu Russland. Auch die Moskauer Regierung ist von seinem Verhalten in der Atomfrage genervt.
2002 unternahm Kim Jong-il eine Reise nach Russland. Wie immer flog er nicht, sondern fuhr im Zug.
Kim mit seinen Bodyguards in Wladiwostok.
Dort traf er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen.
Alte brüderliche Bande bestehen nach wie vor.
Dennoch erhöhte auch Russland den Druck auf Nordkorea. Das Ziel bleibe eine kernwaffenfreie koreanische Halbinsel, hieß es aus Moskau.
Kim musste einlenken. Die so genannten Sechser-Gespräche wurden im Februar in Peking wieder aufgenommen.
Dennoch bleibt Nordkorea ein ständiger Gefahrenherd. Der Erfolg der Verhandlungen muss sich erst in der Praxis erweisen.
Allerdings ist Kim Jong-il Realist genug einzusehen, dass verschärfte Sanktionen gegen sein Land auch sein Machtgefüge zum Bröckeln bringen könnten. Hier ein älteres Familienfoto mit seinem Sohn Kim Jong-nam; stehend dahinter die Schwägerin Sung Hae-rang und ihre beiden Kinder.
Die Verhandlungen in Peking zeigten jedoch, dass die USA mit Nordkorea ganz anders umgehen als mit dem Iran - das Land hat schließlich bereits Atomwaffen.
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