Freitag, 23. April 2010
Missbrauch durch Priester in den USA: Opfer verklagt den Papst
Der Vatikan wusste, dass ein katholischer Priester in den USA Jugendliche missbrauchte, "doch er hat diesen Missbrauch gedeckt und damit aufrechterhalten", heißt es in der Klageschrift, die ein Mann aus dem US-Bundesstaat eingereicht hat.Im Skandal um Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche der USA hat ein Opfer Papst Benedikt XVI. verklagt. Wie der Fernsehsender CNN berichtet, beschuldigt der Mann den Vatikan, die Missbrauchsfälle an einer katholischen Schule für Gehörlose im Bundesstaat Wisconsin zu verschleiern. Er forderte den Papst auf, die Namen der katholischen Priester zu veröffentlichen, gegen die es "glaubhafte Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs" gebe.
"Der Heilige Stuhl wusste um die verbreiteten Probleme des sexuellen Missbrauchs von Kindern, den seine Geistlichen über Jahrhunderte begangen haben, doch er hat diesen Missbrauch gedeckt und damit aufrechterhalten", heißt es in der Anklageschrift. Der Kläger, der inzwischen ein erwachsener Mann ist, hat erklärt, dass er einer von zahlreichen Jungen war, die an der St. John's Schule für Gehörlose in Milwaukee von einem Priester missbraucht wurden.
Vatikan bestreitet Vorwürfe
Vatikan-Anwalt Jeffrey Lena wies die Vorwürfe als "völlig haltlos" zurück. Es handele sich um den Versuch "gewisser US-Anwälte, das Gerichtsverfahren als PR-Instrument einzusetzen", erklärte er in Rom. Im Gegensatz zu vielen anderen Klagen von Missbrauchsopfern sei die jüngste Klage aus den USA nicht rechtmäßig.
Mehrere Schüler hatten ausgesagt, in den vergangenen Jahrzehnten vom 1998 gestorbenen Priester Lawrence Murphy sexuell missbraucht worden zu sein. Sie hätten sich deshalb auch vergeblich an kirchliche und staatliche Behörden gewandt, wo man ihren Klagen nicht weiter nachgegangen sei.
Murphy hatte von 1950 bis 1974 an der Schule gearbeitet. Nach Medienberichten hatte 1996 der Erzbischof von Milwaukee, Rembert Weakland, den damaligen Chef der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, in zwei Briefen über die Vorfälle informiert. Der spätere Papst habe aber nicht geantwortet.
dpa/AFP
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