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Greenpeace-Aktion an der Einfahrt zum Salzstock in Gorleben im September 2010.
Greenpeace-Aktion an der Einfahrt zum Salzstock in Gorleben im September 2010.(Foto: picture alliance / dpa)

Kein Interesse an Atommüllproblem: Opposition greift Röttgen an

Bei der Suche nach einem Atomendlager hält Bundesumweltminister Röttgen trotz der Einwände aus Niedersachsen an einer Erkundung von Gorleben fest. Dies stößt in der Opposition auf scharfe Kritik. Merkel und Röttgen verspielten eine "historische Chance", heißt es. Auch Experten in Hannover reagieren mit Unverständnis auf Röttgens Ankündigung.

Politiker von SPD und Grünen haben Bundesumweltminister Norbert Röttgen von der CDU wegen der fortgesetzten Erkundung des möglichen Atommüll-Endlagers Gorleben scharf kritisiert. "Mit seinem alleinigen Festhalten an Gorleben entlarvt Röttgen, dass die Regierung nicht ernsthaft an einer Lösung des Endlagerproblems arbeitet", erklärte die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl in Berlin.

Röttgen: Es bleibt bei der Erkundung.
Röttgen: Es bleibt bei der Erkundung.(Foto: dpa)

Seit dem Versprechen eines Endlager-Neustarts seien bereits drei Monate vergangen, und im Bundesumweltministerium existiere noch immer kein Zeitplan für ein Endlagersuchgesetz, monierte Kotting-Uhl. "Minister Röttgen und Kanzlerin Merkel sind drauf und dran, eine historische Chance zu verspielen, zu einer Lösung des Atommüllproblems zu kommen", mahnte die atompolitische Sprecherin.

"Klatsche" für McAllister

Bei der Suche nach einem Atomendlager halte Röttgen trotz der Einwände aus Niedersachsen an einer Erkundung von Gorleben fest, hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf einen internen Brief Röttgens an den niedersächsischen Ministerpräsidenten und Parteikollegen David McAllister berichtet.

Das sei eine "Klatsche" für McAllister, erklärte in Hannover der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Detlef Tanke. "McAllisters Ansatz, über die Forderung nach Rückholbarkeit die Einlagerung von Atommüll im Salzstock Gorleben zu vereiteln, wurde von Röttgen mit einem Federstrich zunichte gemacht", sagte Tanke.

Röttgen hatte angesichts des Widerstands in Niedersachsen angekündigt, bis zum Jahresende Vorschläge zu machen, wie es generell bei der Suche nach einem Endlager weitergehen soll. Dabei soll auch geklärt werden, ob andere mögliche Standorte als der Salzstock Gorleben im Wendland in Erwägung gezogen werden.

Aspekt der Rückholbarkeit

McAllister hatte zuletzt das bisherige Endlagerkonzept infrage gestellt. Der Regierungschef wirbt dafür, Atommüll so zu lagern, dass er im Fall der Fälle zurückgeholt werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt sei ein Salzstock kein geeigneter Ort für ein Endlager, weil er sich im Lauf der Zeit wieder verschließe. Daher müsse nach einem anderen Standort als Gorleben gesucht werden.

1983 war entschieden worden, dass Gorleben als Endlager erforscht wird.
1983 war entschieden worden, dass Gorleben als Endlager erforscht wird.(Foto: dpa)

Diese Position bedeutet eine Abkehr von dem seit mehr als 30 Jahren von Bund und Ländern präferierten Endlager Gorleben. Denn das Lager im Salzstock, das seit Jahrzehnten auf seine Eignung geprüft wird, sollte eigentlich den Atommüll für immer aufnehmen. In dem am Freitag in Hannover bekanntgewordenen Antwortschreiben an McAllister schreibe Röttgen, entscheidend für die Rückholbarkeit sei weniger das Medium am Standort als vielmehr dessen konkrete "Ausgestaltung". Danach bleibe es bei der vom Bund vorgesehenen Erkundung Gorlebens.

Nächster Transport steht an

Während Niedersachsen sich damals bereit erklärte, ein Endlager zu errichten, McAllister will woanders suchen , wohlwissend, dass bei einem Neustart zwar Gorleben ausscheiden, aber die schon vor 35 Jahren favorisierten anderen 41 Salzstöcke in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wieder zum Thema werden könnten.

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Bereits Ende November könnte der nächste nach Gorleben starten. Im Vorfeld hatten Gegner den Behörden vorgeworfen, Wie sehr strahlt Gorleben? um das Atommülllager verbreitet zu haben. Auch die SPD-Bundestagsfraktion dringt auf eine rasche Begutachtung möglicher Strahlengefahren durch den Bundestags-Umweltausschuss. Dort wiederum trat zutage, was bisher bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager schief gelaufen ist.

Der Salzstock Gorleben galt vielen Experten zuletzt als überdimensioniert. Er ist etwa 14 Kilometer lang und bis zu 4 Kilometer breit. Er reicht aus 3,5 Kilometern Tiefe hinauf bis auf etwa 260 Meter unter der Oberfläche. Das "Erkundungsbergwerk" umfasst zwei Schächte von 840 und 940 Metern Tiefe. In seine Erkundung sind bereits mehr als 1,5 Milliarden Euro investiert worden.

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Quelle: n-tv.de

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