Politik
Tragtierführer Michael berichtet von seinem "abgefahrenen Beruf". (Screenshot)
Tragtierführer Michael berichtet von seinem "abgefahrenen Beruf". (Screenshot)
Montag, 17. September 2012

Bundeswehr wirbt mit Party-Stimmung: Opposition ist empört

Keine Frage: Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem. Mit der Abschaffung der Dienstpflicht begann die vehemente Werbung um neue Soldaten. Doch offenbar gibt es Auswüchse. Eine aktuelle Kampagne bei einer berühmten Jugendzeitschrift versetzt Experten in Alarmstimmung.

Werbung für Bundeswehr-Camps, platziert bei der "Bravo". (Screenshot)
Werbung für Bundeswehr-Camps, platziert bei der "Bravo". (Screenshot)(Foto: Screenshot n-tv.de)

Knutsch-Tipps, coole Outdoor-Mode und Tiererlebnisse: Die Nachwuchswerbung der Bundeswehr stößt auf Kritik. Politiker und Verbände wandten sich insbesondere gegen sogenannte Abenteuer-Camps der Bundeswehr für 16- bis 21-Jährige, für die zusammen mit der Zeitschrift "Bravo" geworben wird. Die Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger erklärte, solche Mittel der Nachwuchswerbung seien "nicht akzeptabel". Der Einsatz bei der Bundeswehr sei im Extremfall "lebensgefährlich und kein Abenteuer". "Völlig unangebracht" sei es zudem, mit der Kampagne auch Minderjährige anzusprechen.

Die Bundeswehr wirbt auf der "Bravo"-Homepage um Bewerber für die "BW-Adventure Camps" auf Sardinien oder in den Alpen. Dort heißt es zum Beispiel: "Eine coole Berghütte der Bundeswehr ist extra und exklusiv für euch reserviert - das klingt nach Party!" Zudem lassen sich "coole Stundenpläne" downloaden – mit Motiven wie der Gorch Fock, dem Eurofighter oder einer Transall-Maschine. Ein anderer Link führt auf eine Bundeswehrseite mit einem "Spiel für Scharfschützen", in dem es um Fußball geht.

Das Kinderhilfswerk terre des hommes forderte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) auf, die "fragwürdige Kampagne" zu stoppen. Die Werbung suggeriere, "dass es sich bei der Bundeswehr um einen Abenteuerausflug handelt", sagte der Kinderrechtsexperte der Organisation, Ralf Willinger, der "Westfälischen Rundschau". Er sieht die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention und die besonderen Schutzpflichten des Staates gegenüber Kindern verletzt. Die Bundeswehr solle sich bei ihrer Nachwuchswerbung auf Erwachsene beschränken.

Die Opposition will nach dem Bericht der "Westfälischen Rundschau", dass sich der Bundestag mit der Kampagne befasst. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, wandte sich in dem Blatt gegen "falsche Auswüchse" in der Nachwuchsgewinnung. Der Linken-Abgeordnete Paul Schäfer hält demnach die Personalwerbung unter Minderjährigen für "rechtlich problematisch und moralisch unvertretbar".

Quelle: n-tv.de

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