Politik
Großbritanniens Finanzminister George Osborne sieht sich nach dem Brexit als "kontroverse Person".
Großbritanniens Finanzminister George Osborne sieht sich nach dem Brexit als "kontroverse Person".(Foto: AP)
Dienstag, 28. Juni 2016

Vergeblicher Kampf für "Bremain": Osborne lehnt Cameron-Nachfolge ab

Auf der Suche nach einem Nachfolger für den britischen Premier Cameron nimmt sich Finanzminister Osborne selbst aus dem Rennen. Er sei nicht die Person, die seine Partei einigen könne. Wen er stattdessen an der Spitze sieht, sagt er nicht.

Großbritanniens Finanzminister George Osborne, lange Zeit einer der Favoriten auf die Nachfolge von Premier David Cameron, will sich nicht für den Posten bewerben. "Ich bin nicht die Person, die die Einigkeit bieten kann, die meine Partei braucht", schrieb der konservative Politiker in einem Gastbeitrag für die britische "Times". Er sei aus dem EU-Referendum als "kontroverse Person" hervorgegangen. "Ich habe beim Kampf für die Kampagne alles gegeben", schrieb Osborne. "Ich habe an die Sache geglaubt und hart dafür gekämpft."

Video

Osborne hatte für den Verbleib in der EU geworben, die Briten stimmten aber mit 52 Prozent für einen Ausstieg, den Brexit. Daraufhin hatte Cameron seinen Rücktritt angekündigt. Die Frage, ob Großbritannien in der EU bleiben soll, hat die konservativen Tories tief gespalten. Als ein wahrscheinlicher Nachfolger Camerons an der Parteispitze und damit auch als Premierminister gilt Londons früherer Bürgermeister Boris Johnson, der sich an die Spitze des Brexit-Lagers gestellt hatte.

Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts YouGov für die "Times" liegt allerdings Innenministerin Theresa May, die gegen den Brexit war, in der Gunst der Tory-Wähler vorn. Der nächste Parteichef wird in der Regel von den Mitgliedern gewählt, er soll bis Anfang September feststehen.

Osborne kündigt höhere Steuern an

Osborne kündigte zudem an, die Regierung werde einschneidende Schritte zur Sicherung der Finanzstabilität ergreifen müssen, um die Folgen des Votums für den EU-Austritt zu bewältigen. Auf die Frage, ob das auch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen einschließe, antwortete er im BBC-Radio: "Ja, absolut". "Wir müssen dem Land und der Welt zeigen, dass die Regierung in der Lage ist, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten zu handeln", sagte Osborne. Es sei eine zentrale Herausforderung, nach der Brexit-Entscheidung Finanzstabilität zu bewahren.

"Wir befinden uns in einer längeren Phase der Anpassungen im Vereinigten Königreich", sagte er. Das Leben für sein Land außerhalb der Union werde nicht so rosig sein wie das als ihr Mitglied. Es müsse nun vor allem darum gehen, die Phase der Zurückhaltung bei Investitionen und Neueinstellungen in Großbritannien so kurz wie möglich zu halten. Unrealistisch sei es, sich nach dem EU-Austritt nur die Vorteile einer Mitgliedschaft in der Union zu sichern, ohne die Nachteile und Kosten tragen zu müssen.

Hunt wirbt für zweites Referendum

Auch Gesundheitsminister Jeremy Hunt wird als möglicher Cameron-Nachfolger gehandelt. In einem Beitrag für den "Daily Telegraph" schlug er ein zweites Referendum vor. Darin solle aber nicht erneut über die britische EU-Mitgliedschaft abgestimmt werden. "Großbritannien muss und wird die EU verlassen", schrieb Hunt.

Bei dem Brexit-Referendum sei aber nicht über die "Bedingungen" abgestimmt worden, unter denen Großbritannien die EU verlassen werde, erklärte Hunt. Darüber müssten die Wähler nun noch entscheiden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen