Freitag, 27. August 2010
Jeder Fünfte betroffen: Ostdeutsche in Armutsgefahr
Die Gefahr, arm zu werden, steigt in Deutschland. Besonders hoch ist das Risiko in Ostdeutschland.Im Osten Deutschlands gelten deutlich mehr Menschen als armutsgefährdet als in den alten Bundesländern. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, hatte 2009 in den neuen Ländern einschließlich Berlin im Schnitt knapp jeder Fünfte (19,5 Prozent) ein erhöhtes Armutsrisiko. Im Westen Deutschlands lag dieser Anteil bei 13 Prozent. In den höheren Altersgruppen kehrt sich dieses Verhältnis allerdings um: Bei den über 65-Jährigen war im Osten nur jeder zehnte von Armut bedroht, im Westen waren dies 13 Prozent.
Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland zur Verfügung hat. Bundesweit hatten im Jahr 2009 nach dieser Definition knapp 15 Prozent der Bevölkerung ein erhöhtes Armutsrisiko. Die Berechnung berücksichtigt unter anderem nicht die im Osten meist günstigeren Lebenshaltungskosten und Mieten.
Alleinerziehende besonders in Not
Laut Statistischem Bundesamt galt mehr als jeder fünfte Mensch in Mecklenburg-Vorpommern (23 Prozent), Sachsen-Anhalt (22 Prozent) und Bremen (20 Prozent) als armutsgefährdet. In den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern hatte dagegen nur ungefähr jeder Neunte ein erhöhtes Armutsrisiko (rund 11 Prozent).
Ein besonders hohes Armutsrisiko haben demnach Alleinerziehende und ihre Kinder sowie Erwerbslose. Gut jeder zweite Erwerbslose (54 Prozent) war 2009 armutsgefährdet. Auch hier gibt es große regionale Unterschiede: Während in Bayern und Baden-Württemberg 41 Prozent beziehungsweise 42 Prozent der Erwerbslosen armutsgefährdet waren, waren es in Sachsen-Anhalt 70 Prozent.
Bei Alleinerziehenden und ihren Kindern gelten bundesweit 40 Prozent als besonders armutsgefährdet. Während beispielsweise in Hessen und Baden-Württemberg rund ein Drittel der Alleinerziehenden-Haushalte von Armut bedroht waren, traf dies in Sachsen-Anhalt (59 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (56 Prozent), Sachsen (52 Prozent) und Thüringen (51 Prozent) auf mehr als die Hälfte zu. die Daten beruhen auf den Ergebnissen des Mikrozensus 2009, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa.
AFP/dpa
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