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Politik

Mittwoch, 16. August 2006

Schwerpunkt Naturwissenschaft: PISA 2006 abgeschlossen

Rund 55.000 Schüler in Deutschland haben sich in diesem Jahr an dem dritten weltweiten PISA-Schultest beteiligt. Dabei liegen von etwa 90 Prozent der nach dem Zufallsverfahren ausgewählten 15-jährigen Schüler Rückmeldungen vor, teilte das deutsche PISA-Konsortium mit. Der Schwerpunkt lag diesmal auf den Naturwissenschaften.

Die Tests an insgesamt 1.516 Schulen wurden nach Aussage des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel bereits Ende Mai "erfolgreich abgeschlossen". Die internationalen Ergebnisse von insgesamt 58 Teilnehmerstaaten werden am 4. Dezember 2007 durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht. Die in Deutschland stets mit größter Spannung erwartete Bundesländer-Leistungsrangliste wollen die deutschen PISA-Forscher erst im Herbst 2008 veröffentlichen.

Beim jüngsten PISA-Test 2003 hatten 93 Prozent der ausgewählten Schüler Testbögen abgegeben - mit Länder-Schwankungen zwischen 85 Prozent (Saarland) und 96 Prozent (fast alle neuen Bundesländer). In Nordrhein-Westfalen und in Bayern hatte es jeweils einen Rücklauf von 90 Prozent gegeben, in Baden-Württemberg von 89. In einigen Bundesländern ist die PISA-Teilnahme Pflicht, in anderen nicht – was innerhalb der Kultusministerkonferenz (KMK) nicht unumstritten ist.

Hoffen auf Durchbruch

Nach dem schlechten deutschen PISA-Abschneiden 2000 und 2003 hoffen die Kultusminister beim dritten Testlauf nun auf den Durchbruch oder gar eine Annäherung an die internationale Spitzengruppe. Schwerpunkt von PISA 2000 waren die Schlüsselqualifikation Lesen/ Textverständnis, 2003 Mathematik. Da 2006 das Hauptaugenmerk auf den Naturwissenschaften liegt, hoffen nicht wenige Kultusminister jetzt auf ein Ende der ungeliebten PISA-Botschaften. Denn gerade in diesem Bereich hatte Deutschland auch 2000 und 2003 seine besten Werte erzielen können.

Der nächste PISA-Test 2009 wird in Deutschland wesentlich kleiner ausfallen. Die Kultusminister wollen auf das bisherige Länder-Ranking auf Basis der international standarisierten PISA-Fragen der OECD verzichten. Stattdessen soll es unter KMK-Regie einen eigenen Länder-Vergleich auf Grundlage der neuen deutschen Bildungsstandards geben. Darin wird beschrieben, was ein Schüler jeweils am Ende einer bestimmten Klasse können muss.

Der PISA-Schock

Vor fast fünf Jahren, am 5. Dezember 2001, hatte mit Veröffentlichung des ersten PISA-Tests ein gewaltiger Schock die deutschen Kultusminister wachgerüttelt. Ihre noch am selben Tag beschlossenen Sofortmaßnahmen konnten in den knapp 16 Monaten bis zum zweiten PISA-Testdurchlauf im Mai 2003 noch kaum Wirkung entfalten.

Doch das ungelöste deutsche Schulproblem bleibt nach wie vor die soziale Frage, auf die die Kultusminister aus Sicht vieler Forscher immer noch keine überzeugende Antwort gegeben haben. Denn in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat ist der Bildungserfolg eines Schülers so abhängig von seiner sozialen Herkunft wie in Deutschland.

Soziale Gründe

In allen vier untersuchten Feldern (die mathematischen Kompetenzen Raum und Form sowie Veränderung und Beziehungen, Naturwissenschaften und Lesen) beträgt der Kenntnisabstand von Jugendlichen aus der obersten sozialen Schicht gegenüber denjenigen aus der untersten jetzt über 100 PISA-Punkte - was nach Lesart der Forscher einem Lernfortschritt von mehr als zwei Schuljahren entspricht.

Laut PISA 2003 hat in Deutschland ein 15-jähriges Akademikerkind eine vier Mal so große Chance das Gymnasium zu besuchen wie ein Facharbeiterkind - und das trotz kontrollierter gleicher Kompetenz in Lesen und Mathematik. In Bayern sind diese Chancen sogar 6,7 Mal größer. Und gerade bei dieser sozialen Frage ist ein Teil der Forscher beim PISA-Test 2006 auf die Ergebnisse besonders gespannt.

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