Erste Sitzung in BagdadParlament zusammengetreten
Drei Monate nach der Wahl im Irak ist das Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. Die konstituierende Sitzung blieb jedoch ein rein symbolischer Akt.
Drei Monate nach der Wahl im Irak ist das Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. Die konstituierende Sitzung, die in der streng abgeriegelten "Grünen Zone" von Bagdad stattfand, blieb jedoch ein rein symbolischer Akt.
Da sich die Parteien noch nicht über die Verteilung der Schlüsselpositionen in der Regierung einig sind, wählten die 275 Abgeordneten auch keinen Parlamentspräsidenten. Als Alterspräsident hielt der säkulare Sunnit Adnan Padschadschi die Eröffnungsrede. Er rief die Abgeordneten auf, nicht immer nur an die Interessen der eigenen Religionsgruppe zu denken. Padschadschi verurteilte die jüngste Welle von Anschlägen auf Moscheen und warnte, "die Gefahr eines Bürgerkrieges ist noch nicht gebannt".
Unterbrochen wurde Padschadschi von dem Vorsitzenden der religiösen Schiiten-Allianz, Abdul Asis al-Hakim, der ihn aufforderte, nicht über die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten zu sprechen. Die Allianz ist die stärkste Fraktion im Parlament.
Die Abgeordneten wurden vereidigt. Anschließend erklärte Padschadschi die Sitzung für beendet und sagte, das Parlament werde seine Arbeit nach weiteren Verhandlungen zwischen den Parteien aufnehmen. Ein Datum nannte er nicht. Der umstrittene designierte Ministerpräsident Ibrahim al-Dschafari erklärte, die Bildung der neuen Regierung könne noch einen Monat in Anspruch nehmen. Er deutete erstmals an, dass er eventuell auf das Amt des Regierungschefs verzichten würde. Übergangspräsident Dschalal Talabani sagte, er hoffe, die Verhandlungen über die Regierung könnten bis Ende März abgeschlossen werden. Um Anschläge zu verhindern, blieben alle öffentlichen Einrichtungen am Donnerstag geschlossen, und es herrschte Fahrverbot.
Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete, in Bagdad seien seit Mittwochabend 25 Leichen von Mordopfern entdeckt worden, darunter mehrere Polizisten. Nach Polizeiangaben wurden unter anderem zwischen Feldern in Dscharf al-Sachr südlich von Bagdad die Leichen von sieben Irakern gefunden worden, unter ihnen drei Polizisten.
In Al-Ghalibija nordöstlich von Bagdad starben am Donnerstag drei Studentinnen, als ein Sprengsatz in der Nähe ihrer Hochschule explodierte. Nordöstlich von Samarra begannen irakische Sicherheitskräfte mit Unterstützung des US-Militärs eine Operation gegen mutmaßliche Terroristen. In Halabdscha erschossen kurdische Sicherheitskräfte drei Demonstranten, nachdem die jungen Männer bei einer Zeremonie zum Gedenken an die Opfer des Giftgasangriffes auf die Stadt 1988 Politikern den Weg versperrt hatten.
Das amerikanische Militärkommando berichtete, in dem US- Militärgefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad sei ein 24 Jahre alter Häftling unter bislang ungeklärten Umständen gestorben. Er sei am Mittwoch leblos aufgefunden worden und offensichtlich eines "natürlichen Todes gestorben". Die Armee berichtete weiter, Aufständische hätten am Mittwoch südwestlich von Bagdad einen ihrer Soldaten getötet.