Politik
China produziert auch Spielzeugwaffen. Der Weltgemeinschaft machen aber nur ihre tödlichen Vorbilder Sorgen.
China produziert auch Spielzeugwaffen. Der Weltgemeinschaft machen aber nur ihre tödlichen Vorbilder Sorgen.(Foto: REUTERS)

Waffen "Made in China": Peking erobert Rüstungsmarkt

Kriegsgerät aus chinesischer Produktion ist technisch rückständig. Trotzdem gelingt es dem Land, seinen Anteil am internationalen Waffenhandel auszubauen. Und das aus zwei Gründen: Die Waffen sind billig und auch für Militärs geächteter Länder zu haben.

Der Exportweltmeister mischt immer stärker im internationalen Rüstungsgeschäft mit. China hat seinen Anteil am internationalen Waffenhandel auf fünf bis sechs Prozent gesteigert. Damit liegt das Land gleichauf mit Großbritannien auf Platz fünf.

"Die chinesischen Rüstungsexporte steigen von Jahr zu Jahr stärker", sagt Michael Santo, Verteidigungsexperte und Vorstandsmitglied von der deutschen Unternehmensberatung "H&Z". Die Rüstungsgeschäfte dienen laut einer Studie der Experten China auch für andere Zwecke: Rohstoffversorgung, Sicherung von Handelsrouten und Ausweitung seines strategischen Einflusses.

Von den Exporten profitiert in China neben der Rüstungsindustrie indirekt auch die Volksbefreiungsarmee, deren Haushalt meist mit kräftigen, zweistelligen Zuwachsraten steigt. Noch in dieser Woche wird der Volkskongress zum Abschluss seiner Jahrestagung in Peking wieder einen Anstieg um 11,2 Prozent beschließen.

Wie die Militärausgaben liegen auch die zunehmenden Geschäfte mit Waffen "Made in China" im Dunkeln. Aus Mangel an Daten musste das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) in seinem jüngsten Jahresbericht die Rüstungsgeschäfte Chinas ausklammern.

Pakistan ist Chinas bester Kunde

Laut dem H&Z-Experten Santo machten Chinas Rüstungslieferungen zwischen 2007 und 2010 insgesamt 8,7 Milliarden US-Dollar aus. In nur 15 Jahren sei China in der klassischen Wehrtechnik zu einem Asien rüstet sich an die Spitze , schreibt er in seinem Bericht.

Größte Kunden sind Entwicklungsländer, allen voran Pakistan. Die durch alte Freundschaft verbundenen beiden Länder bilden ein Gegengewicht zum Rivalen Indien. Danach folgen Venezuela und der Iran, wichtige Öllieferanten, die auf Konfrontationskurs zu den USA fahren.

Der J-20 ist Chinas erster Tarnkappen-Kampfjet.
Der J-20 ist Chinas erster Tarnkappen-Kampfjet.(Foto: picture alliance / dpa)

"Bei der Kooperation mit dem Iran geht es vorrangig um Know-how und Training, bezüglich Nukleartechnik und Raketen", sagt Santo. Von der Hilfe für Teheran verspreche sich China, "die US-amerikanische Macht im Nahen Osten zu schwächen". Auch sichere sich China damit den Iran als wichtigen Öllieferanten und Handelspartner. Größere Abnehmer chinesischer Waffen waren zwischen 2007 und 2010 aber auch Länder wie Ägypten, Nigeria, Bangladesch, Namibia, Saudi Arabien und Sri Lanka.

China liefere auch in Krisengebiete oder geächtete Länder und vermeide verbindliche Bekenntnisse zu internationalen Embargobeschlüssen, heißt es in dem Bericht. Ob die Regierung in Peking immer weiß, wohin ihre Rüstungsunternehmen liefern, erscheint Beobachtern nicht sicher.

So wurden in der Schlussphase des Bürgerkrieges in Libyen Dokumente entdeckt, die zeigen, dass das Gaddafi-Regime über Umwege millionenschwere Waffenlieferungen aus China zumindest in Aussicht gestellt worden waren. Peking beteuerte danach, zunächst nicht über das Kaufersuchen unterrichtet worden zu sein, das Embargo aber eingehalten zu haben.

China holt technologisch auf

Zwar seien die chinesischen Waffen technologisch noch rückständig, hält die Studie fest. Doch biete China "günstige Preise, attraktive Zahlungskonditionen und eine Basisqualität, die den Kundenansprüchen genügt". Wo Geschäfte politisch motiviert sind, wird Flexibilität gezeigt. Auch holt China technologisch auf. Über die Weiterentwicklung sowjetischer Lizenzprodukte und die Einbindung in weltweite Wertschöpfungsketten gewinne China immer leichter Zugang zu westlicher Technologie. Der Rückstand werde je nach Segment "in zehn bis 20 Jahren aufgeholt sein", heißt es in dem H&Z-Bericht.

Bilderserie

Die Technologiesprünge fallen besonders beim Prototypen des chinesischen Stealth-Kampffliegers J-20 auf, der für Radar unsichtbar sein soll. . Santo geht davon aus, dass Technik auch über frühere Kooperationen der Europäer mit russischen Partnern nach China gelangt. "Wissen über Technologie für U-Boote oder den Bau von Kriegsschiffen, Panzern und Helikoptern fließt über Umwege von Europa an militärische Unternehmen in China", sagt Santo.

Eine Aufhebung des seit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 geltenden EU-Waffenembargos würde aus seiner Sicht den Technologietransfer nach China "sprunghaft beschleunigen".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen