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Die aussichtsreichsten Kandidaten der Republikaner: Trump (l.) und Cruz.
Die aussichtsreichsten Kandidaten der Republikaner: Trump (l.) und Cruz.(Foto: REUTERS)

Brief aus Washington: Pest und Cholera - Republikaner vor der Wahl

Eine Kolumne von Peter Kleim

Viele Republikaner reiben sich zurzeit verwirrt die Augen und fragen sich: Wie werden wir Donald Trump nur wieder los? Dabei ist er genau der Kandidat, den die Partei verdient hat.

Auch wenn man schon viele Jahre in den USA lebt und denkt, man habe sich an fast alles gewöhnt - Überraschungen oder Entdeckungen gibt es doch immer wieder. Dass ich jetzt gerade im Flugzeug sitze, um über dem Umweg via Mexiko nach Kuba zu fliegen, ist vielleicht weniger eine Überraschung als der Lauf der Geschichte: Ewig lassen sich Lebenslügen eben nicht aufrechterhalten, weder im Leben von uns gewöhnlichen Erdlingen noch im Zusammenleben von Staaten.

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In Deutschland war es damals Willy Brandt, der trotz Mordsgeschrei mit folgendem Misstrauensantrag der Konservativen nach Erfurt reiste - einer der symbolischen Reisen der Ostpolitik. Wandel durch Annäherung war das Ziel. Doch vorher gehörte erst einmal aufgeräumt mit eben diesen Lebenslügen und politischen Märchen, dass man zum Beispiel mit den finsteren Genossen da drüben nicht reden und nicht verhandeln dürfe. Dass (politische) Blockade Aufbau wäre.

Barack Obama hat mit solch einer Lebenslüge aufgeräumt. Am Sonntag fliegt er nach Havanna - sein Symboltrip für eine neue Zukunft mit Kuba. Wenn man 50 Jahre vergeblich versucht, mit Wirtschaftsblockade politische Freiheit zu befördern, dann ist es wohl an der Zeit, einen anderen Weg einzuschlagen. Wandel durch Annäherung halt. Oder wie Ben Rhodes, Obamas enger außenpolitischer Berater, der die Öffnungspolitik gen Kuba wesentlich gestaltet hat, sinngemäß sagt: Warum sollen wir, um Informations- und Organisationsfreiheit zu befördern, nur ein paar Dissidenten geheim mit Internet-Zugang ausstatten, wenn AT&T , T-Mobil oder Verizon ein ganzes Volk damit versorgen können?

Andere Märchen und Lügen halten sich dagegen länger und schaffen mit der Zeit ihre eigene Dynamik. Vor allem im realitätsfernen, aber bibelnahen Biotop der Konservativen und Rechtsaußen, die die einst honorige Republikanische Partei seit Jahren in Geiselhaft hält; wo Klimawandel nicht existiert, Barack Obama dafür aber ein Muslim ist.

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Diese Kräfte der Einbildung, des Zorns und des festen Glaubens, man kämpfe für die gute Sache und "God's own Country", schaffen ihre eigene Wirklichkeit und ihre eigenen Kandidaten: Ted Cruz, den ultra-konservativen Junior-Senator aus Texas, der gern einmal aus purer Ideologie den Staatshaushalt verweigert und tagelang eine ganze Nation lahmlegt, und Donald Trump, über den man mittlerweile nicht mehr viel sagen muss. Seine großmäuligen und aggressiven Auftritte und seine absurden Ideen kennt mittlerweile jeder.

Republikaner haben Trump verdient

Donald Trump ist der Kandidat, den die Republikaner verdient haben. Auch wenn sie jetzt schmerzhaft aufwachen, sich den Schädel reiben und "Oh Gott, wie werden wir den nur wieder los?" stottern. Die Strategie - geordnet wie ein Hühnerhaufen: Da betet jetzt die Gouverneurin von South Carolina leise, dass ausgerechnet Ted Cruz es schaffen möge, nachdem sie vorher für das kleingewachsene Großtalent Marco Rubio in den Vorwahlkampf zog. Der Gouverneur von Florida Rick Scott schmeißt dagegen die Flinte gleich ins Korn und marschiert nun mit Trump in der Bewegung und in der Hoffnung, irgendwie wird schon alles gut.

Aber dass man sich bei den Republikanern nun nicht mehr allein aufs Beten verlassen will, das führt dann für den Regel und Ordnung gewöhnten deutschen Beobachter zur nächsten Verwunderung: die Biegsamkeit und Halbwertszeit der Partei-Statuten.

"Rule 40" ist jetzt das neue Zauberwort im politischen Diskurs. Die Regel besagt, dass auf dem Wahlparteitag, auf der Convention, nur Kandidaten antreten dürfen, die im Vorwahlkampf mindestens acht Staaten gewonnen haben. "Rule 40", so viel zur Halbwertszeit, war vor vier Jahren von den Strippenziehern der Partei geschaffen worden, um ihren Kandidaten, Mitt Romney, abzusichern. Seit Trumps Triumph am Dienstag in Florida sind nun Zeitungen und Nachrichtensender voll mit Spekulationen, wie man die Regel schnell wieder los wird. Jetzt auf einmal, um einen Kandidaten zu verhindern: Donald Trump.

Denn so viel ist sicher, gestoppt werden kann Trump nur noch auf der Convention in Cleveland, sollte er vorher nicht die benötigten 1237 Delegiertenstimmen erreicht haben. Dann sind die Delegierten auf dem Parteitag nach der zweiten Abstimmung frei und können wählen, wen sie wollen.

Das Problem ist nur: Die einzigen Kandidaten, die bislang acht Staaten gewonnen haben, heißen wie? Genau. Donald Trump und Ted Cruz. Für einen Wahlerfolg im November heißt das: Pest oder Cholera.

Quelle: n-tv.de

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