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Wird die Pflege im eigenen Heim nun leichter?
Wird die Pflege im eigenen Heim nun leichter?(Foto: dpa)

Gröhe zählt die Milliarden: Pflegeversicherung soll teurer werden

Gesundheitsminister Gröhe hat Großes vor: Die Pflegeversicherung soll mehr Geld ausschütten - und dafür den Beitragssatz wie nie zuvor erhöhen. Das soll Milliarden Euro in die Kassen spülen. Davon könnten Arbeitnehmer aber auch profitieren.

Mit einer groß angelegten Pflegereform will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf den Pflegenotstand reagieren. Die rasche Zunahme von Pflegebedürftigen und an Demenz Erkrankten sei "eine Herausforderung für das System Pflege, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes", sagte Gröhe der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Derzeit sind rund 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig. Experten rechnen damit, dass es in 15 Jahren rund eine Million mehr sein werden.

Geplant seien ein neues Begutachtungsmodell, erweiterte Hilfen für Pflege in der Familie und die Ausbildung und Einstellung von deutlich mehr Betreuungskräften, sagte der CDU-Minister.

So sollen etwa Arbeitnehmer, die einen Pflegeplatz für Angehörige organisieren und deshalb eine Auszeit nehmen müssen, ab Januar 2015 mit Lohnersatz aus der gesetzlichen Pflegeversicherung rechnen können. Wie der "Spiegel" unter Berufung auf ein internes Papier des Gesundheitsministeriums berichtet, sollen dafür bis zu 100 Millionen Euro jährlich bereitstehen. Beschäftigte dürfen schon heute für zehn Tage mit der Arbeit aussetzen, wenn ein Pflegenotfall eintritt. Künftig sollen sie jedoch eine Leistung erhalten, die sich an der Höhe des Kinderkrankengeldes orientiert und 70 Prozent des beitragspflichtigen Bruttolohnes ausmachen soll.

Fünf Grade statt drei Stufen

Das bisherige Drei-Stufen-Modell bei der Begutachtung und Einstufung von Pflegebedürftigen soll durch fünf Pflegegrade ersetzt werden. Bisher wurde die Pflegestufe von den körperlichen Einschränkungen bestimmt. "Das ist zu einseitig", sagte Gröhe. Bei den neuen Graden würden geistige und psychische Beeinträchtigungen gleichermaßen berücksichtigt und so die individuelle Pflegebedürftigkeit besser erfasst. Schon in wenigen Tagen soll das neue System auf seine Praxistauglichkeit getestet werden. "Wir werden parallel nach dem alten und nach dem neuen Modell begutachten", sagte Gröhe. So könnten frühzeitig Fehler vermieden werden.

Verbesserte Leistungen für die Pflegebedürftigen soll es unabhängig davon schon ab dem 1. Januar 2015 in Höhe von 2,4 Milliarden Euro geben. Damit sollen die Hilfen für Familien ausgebaut und mehr Pflegerinnen und Pfleger in Betreuungseinrichtungen eingestellt werden. In einem zweiten Schritt sollen später weitere 2,4 Milliarden Euro ausgegeben werden.

Umsetzung bis 2017

Die Beitragszahler werden mit 0,5 Prozentpunkten mehr in der Pflegeversicherung belastet. "Das bringt den Pflegebedürftigen am Ende fünf Milliarden Euro mehr im Jahr", sagte Gröhe. Eine solche Erhöhung des Leistungsvolumens um 20 Prozent habe es in einem sozialen Sicherungssystem noch nicht gegeben. Er sei sich sicher, dass "viele Menschen in unserem Land wollen, dass bei der Pflege ein großer Schritt getan wird", sagte der Minister. Die Reform solle bis 2017 abgeschlossen sein.

Ein Teil davon soll dem "Spiegel" zufolge sein, Senioren künftig leichter in Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege betreuen zu lassen (Kosten: 355 Millionen Euro) oder pflegende Angehörige durch ambulante Dienste zu entlasten (300 Millionen Euro). Steigen sollen auch die Zuschüsse für barrierefreies Wohnen (60 Millionen). In die stationäre Pflege in Heimen soll eine weitere Milliarde Euro zusätzlich fließen.

Quelle: n-tv.de

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