Mehr Überfälle und mehr GeiselnPiraten aktiv wie nie
Die weltweiten Meere werden immer unsicherer. 2010 bringen Piraten mehr Menschen und mehr Schiffe in ihre Gewalt als je zuvor. Mehr als 1100 Personen sind betroffen. Besonders gefährlich bleiben die Küsten vor Somalia. Zumal die Piraten eine neue Strategie anwenden und Schiffe bereits auf hoher See angreifen.
Piraten haben im vergangenen Jahr mehr Menschen in ihre Gewalt gebracht als je zuvor - und die Gewässer vor Somalia bleiben die gefährlichsten der Welt. Zunehmend attackieren die Piraten ihre Opfer auf hoher See und nutzen die gekaperten Schiffe dann als Ausgangspunkt für weitere Überfälle, berichtete das Maritim-Büro (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) in Malaysia. In der Hauptstadt Kuala Lumpur betreibt das IMB eine zentrale Meldestelle für Piratenangriffe.
"Sowohl die Zahl der Geiseln als auch der gekaperten Schiffe ist so hoch wie nie zuvor", sagte der Direktor der Meldestelle, Pottengal Mukundan, in Kuala Lumpur. Ende des Jahres waren noch 638 Besatzungsmitglieder in der Gewalt von Piraten.
Acht Geiseln getötet
Im vergangenen Jahr wurden 1181 Besatzungsmitglieder als Geiseln genommen, 12,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Piraten brachten acht Geiseln um. 445 Piratenangriffe wurden insgesamt gemeldet - zehn Prozent mehr als 2009 -, von denen die meisten aber abgewehrt wurden. Gekapert wurden 53 Schiffe, 92 Prozent davon von somalischen Piraten. Seit vier Jahren steigt die Zahl der Überfälle deutlich. 2006 waren nur 188 Besatzungsmitglieder betroffen.
Vor Somalia wagen sich die Piraten immer weiter auf das Meer hinaus. "Schwer bewaffnete Piraten überwältigen große Fischerboote oder kommerzielle Schiffe, nehmen die Besatzung als Geisel und zwingen sie dann zu Angriffen auf andere ahnungslose Schiffe", sagte Mukundan. Die Schutzmaßnahmen auf See hätten nur begrenzten Erfolg, wenn in Somalia keine Stabilität hergestellt werde.
Hungerkatastrophe droht
Doch dies scheint weit entfernt. Aufgrund anhaltender Trockenheit sind in dem Land rund 2,5 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Regierungschef Mohamed Abdullahi Mohamed bat deshalb vergangene Woche vor dem UN-Sicherheitsrat um rasche internationale Hilfe. Mohamed berichtete auch von Fortschritten im Kampf gegen die radikalislamische Shebab-Miliz. "Schritt für Schritt" wachse täglich der gesicherte Teil der Hauptstadt Mogadischu. Die Regierungstruppen hätten inzwischen 60 Prozent der Stadt unter Kontrolle, sagte der Ministerpräsident.
In Somalia herrscht seit fast zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg. Die Macht der Regierung ist auf Teile von Mogadischu beschränkt. Ihr Überleben wird durch ugandische und burundische Friedenstruppen der Afrikanischen Union gesichert.