Bereits 30 Millionen erpresstPiraten bedrohen Welthandel
Die Piraterie bedroht in ihren Ausmaßen mittlerweile den internationalen Welthandel. Die Seeräuber vor Somalia haben in diesem Jahre bereits rund 30 Millionen Dollar erpresst.
Die Piraten vor der somalischen Küste könnten zu einer Bedrohung des Welthandels werden, sollten sie weiter ungehindert ihr Unwesen treiben. Angesichts der wachsenden Gefahr von Angriffen und der deshalb stetig steigenden Versicherungsprämien könnten Reedereien auf anderen Strecken als den Golf von Aden ausweichen, um von Asien nach Europa oder in die USA zu kommen, hieß es in einer Erklärung des britischen Politikinstituts Chatham House. Die längere Route aber werde die Transportkosten und somit auch die Preise für die transportierten Güter erhöhen. Laut Chatham House wurden allein in diesem Jahr 60 Schiffe von Piraten angegriffen.
Dem Institut zufolge haben die vor der somalischen Küste marodierenden Piraten in diesem Jahr bereits bis zu 30 Millionen Dollar an Lösegeld erpresst. Die Banden hätten zwischen 500.000 und zwei Millionen Dollar pro aufgebrachtem Schiff bekommen.
Überfälle "immer ausgeklügelter"
Der Golf von Aden zwischen Somalia und Jemen wird jährlich von rund 20.000 Schiffen passiert, die damit den kürzesten Weg von Asien nach Europa und Nordamerika via dem Suez-Kanal nehmen. Rund 30 Prozent des Öls kommt dabei durch den Golf. Laut Chatham House sind die Piraten längst keine Gelegenheitsverbrecher mehr, vielmehr würden ihre Überfälle "immer ausgeklügelter". Für Aufsehen sorgen sie, seit sie vor einer Woche einen ukrainischen Frachter mit Panzern und Waffen auf dem Weg nach Kenia in ihre Gewalt gebrachten haben. Sie fordern dafür nach Angaben der regierungsunabhängigen Organisation East African Seafarers' Assistance Programme ein Lösegeld von 35 Millionen Dollar. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann eine der Geiseln getötet werde, warnte Chatham House.
"Internationale Küstenwache"
Als eine Möglichkeit im Kampf gegen Piraten schlug das Institut die Einrichtung einer "international sanktionierten und verwalteten" Küstenwache für Somalia vor. Diese könne von den Vereinten Nationen oder der Afrikanischen Union betrieben und mit "auswärtigen Geldern" finanziert werden. Die Zahl der Piraten vor der somalischen Küste wird auf mehr als 1000 geschätzt - viele von ihnen sind ehemalige Mitarbeiter der somalischen Küstenwache.
Mehrere Länder, darunter die USA und Russland, haben bereits Kriegsschiffe in der Region. Auch die EU will drei Fregatten, ein Versorgungsschiff und drei Seefernaufklärer einsetzen, um den Seeweg abzusichern und Piraten abzuschrecken. Deutschland will sich nach Angaben von Verteidigungsminister Franz Josef Jung mit einer Fregatte an dem Einsatz beteiligen.