Montag, 23. November 2009
Gefängnischef der Roten Khmer: Plädoyers gegen Duch
30 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha rückt das erste Urteil gegen einen der Drahtzieher näher. Vor dem Völkermord-Tribunal gegen Kaing Guek Eav alias Duch beginnen die Schlussplädoyers.
Im Gefängnis, dem Duch vorstand, kamen tausende Menschen um.
(Foto: ECCC)
Der 62-jährige Angeklagte war Vorsteher des schlimmsten Foltergefängnisses der Roten Khmer in Phnom Penh. Ihm droht lebenslange Haft. Unter seiner Leitung kamen in dem Gefängnis S-21 und dem angeschlossenen Hinrichtungslager zwischen 1975 und 1979 mindestens 15.000 Menschen ums Leben. Nur eine Handvoll überlebte.
Als erstes kamen die Anwälte von Angehörigen der Opfer zu Wort. Sie bezweifelten, das Duch bei seiner Entschuldigung und Bitte um Vergebung zum Auftakt des Prozesses ehrlich war. Sie wiesen auch Duch Aussage zurück, er sei nur ein kleines Rad in der Mordmaschine gewesen und wäre selbst umgebracht worden, wenn er sich nicht gefügt hätte.
Handschriftliche Hinrichtungsbefehle
"Der Angeklagte hat das, was er getan hat, nicht nur getan, weil er dieselbe ideologische Überzeugung hatte wie die Führungsriege (der Roten Khmer), sondern weil es sein Leben leichter machte", sagte Anwalt Karim Khan. "Die Menschen wollen verstehen, wie ein Mann ein solch barbarisches System errichten konnte", sagte Anwalt Philippe Canonne. Auf zahlreichen Akten, die später gefunden wurden, hat Duch handschriftlich die Hinrichtung der gefolterten Opfer befohlen.
Duch ist unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das Verfahren hatte vor neun Monaten begonnen. Das Tribunal ist ein Gemeinschaftsgericht der kambodschanischen Justiz und der Vereinten Nationen. Es gibt sowohl einheimische als auch internationale Richter und Ankläger. Sowohl die Ankläger als auch die Verteidiger sollen ihre Schlussplädoyers bis Donnerstag vortragen. Das Urteil wird erst für das nächste Jahr erwartet.
Weitere Prozesse 2010
Der Prozess stößt auf großes öffentliches Interesse - Kambodschaner warten vor dem Gericht auf Einlass.
(Foto: AP)
Außer Duch sind vier weitere frühere Funktionäre der Roten Khmer angeklagt. Es handelt sich um die damaligen politischen Führungsfiguren wie den Präsidenten und den Außenminister des Regimes. Anders als Duch weisen sie jede Schuld von sich. Ihre Prozesse sollen im nächsten Jahr beginnen.
Die Roten Khmer wollten einen Bauernstaat verwirklichen. Sie verfolgten jeden mit Schulbildung und zwangen die Menschen aus der Stadt zu harter Arbeit auf das Land. In den vier Jahren ihrer Herrschaft kamen durch Hungersnöte, Krankheiten und in den Gefängnissen zwei Millionen Menschen ums Leben.
dpa
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