Politik
Lindner, Merkel und Schulz: die beliebtesten der insgesamt neun Spitzenkandidaten der sechs Parteien, die dem neuen Bundestag voraussichtlich angehören werden.
Lindner, Merkel und Schulz: die beliebtesten der insgesamt neun Spitzenkandidaten der sechs Parteien, die dem neuen Bundestag voraussichtlich angehören werden.(Foto: imago/sepp spiegl)
Mittwoch, 06. September 2017

Wer hat das beste Personal?: Platz eins für Merkel, Schulz hinter Lindner

Von Christian Rothenberg und Christoph Wolf

Schulz, Merkel, Lindner, Bartsch, Özdemir: Die Spitzenkandidaten der Parteien sollen über die eigene Anhängerschaft hinaus Stimmen sichern. Das gelingt ihnen mit unterschiedlichem Erfolg.

Sie sind die prominentesten Personen im Wahlkampf, ihre Gesichter prangen in diesen Tagen auf tausenden Wahlplakaten in der ganzen Republik: die Spitzenkandidaten der Parteien für die Bundestagswahl am 24. September. Die beliebteste von allen ist Kanzlerin Angela Merkel. Das ist das Ergebnis einer Zwischenauswertung des RTL-Wahl-Navi, an dem bis zu diesem Mittwoch knapp 1,2 Millionen Nutzer teilgenommen haben.

Auf einer Skala von null bis zehn kommt Merkel auf einen Wert von 4,5 und liegt damit deutlich vor FDP-Chef Christian Lindner (3,8), SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (3,7) und der Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht (3,5). Die Plätze fünf bis acht belegen Grünen-Chef Cem Özdemir (3,1), Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch und Alice Weidel (jeweils 2,5) von der AfD sowie die Grüne Katrin Göring-Eckardt (2,4). Den letzten Platz belegt der zweite AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland (2,1).

Aufschlussreich ist auch die Popularität der Kandidaten in den verschiedenen Wählergruppen. Die höchste Beliebtheit unter den Anhängern der eigenen Partei genießen demnach Merkel (7,6), Lindner (7,1) und Wagenknecht (7), Kanzlerkandidat Schulz (6,8) liegt knapp dahinter. Für Göring-Eckardt (5) und Bartsch (4,7) fällt der Zuspruch in den eigenen Reihen verhältnismäßig gering aus. Besonders auffällig: Die Kanzlerin ist bei Grünen-Anhängern mit einem Wert von 5,3 sogar populärer als die eigene Spitzenkandidatin und auch als SPD-Kandidat Schulz (4,5).

Unterschiedliche Einstellungen lassen sich auch im Vergleich zwischen männlichen und weiblichen Wählern beobachten. Bei Gauland und Weidel fällt der Zuspruch unter Männern etwas größer aus - was dazu passt, dass insgesamt mehr männliche Wähler ihr Kreuz bei der AfD machen. Der Grüne Özdemir ist dagegen bei Frauen beliebter. Bei den übrigen Spitzenkandidaten ist es relativ ausgeglichen.

Auch der Faktor Alter hat zumindest einen geringfügigen Einfluss auf die Bewertung der Spitzenpolitiker. Göring-Eckardt, Özdemir und Schulz sind bei Wählern zwischen 18 und 29 Jahren etwas beliebter als im Schnitt. Merkel und Wagenknecht haben derweil bei Menschen ab 65 Jahren ihre besten Werte.

Kleine Unterschiede gibt es auch, untersucht man die Kandidaten nach dem Kriterium Bildung. Merkel und Lindner schneiden bei Bessergebildeten, also Personen mit Promotion, Hoch- oder Fachholschulabschluss, überdurchschnittlich gut ab. Schulz erhält von Personen mit Berufsausbildung, Lehre oder ohne beruflichen Abschluss seine besten Bewertungen.

Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen dem Zuspruch der Spitzenkandidaten und der Selbstverortung auf einer Skala von sehr links bis sehr rechts, die die Nutzer im Wahl-Navi vornehmen können. Bartsch und Wagenknecht kommen erwartungsgemäß vor allem bei Personen gut an, die sich als links oder sehr links einordnen. Umso weiter rechts, desto mehr sinkt die Zustimmung. Genau andersherum ist es bei den Kandidaten der AfD. Bei den übrigen Politikern ist die Verteilung ausgeglichener. Merkel erreicht im gesamten Spektrum zwischen links, Mitte und rechts ähnlich hohe Popularitätswerte. Schulz, Özdemir und Göring-Eckardt schneiden zwar links und sehr links stark ab, bei Mitte-Wählern können sie jedoch nur mäßig punkten.

In Ost- und Westdeutschland werden die Spitzenkandidaten unterschiedlich beurteilt. Gauland, Wagenknecht und Weidel kommen in den neuen Ländern besser an als in ihrem Gesamtschnitt. AfD und Linke haben dort auch insgesamt mehr Anhänger und holten bei Landtagswahlen bessere Wahlergebnisse. Göring-Eckardt, Lindner, Merkel, Özdemir und Schulz erzielen dagegen im Westen teilweise deutlich höhere Werte.

Nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Schulz am Wochenende verzeichnet das Wahl-Navi deutliche Änderungen bei den Zustimmungswerten der Kandidaten. Sowohl die Kanzlerin als auch ihr Herausforderer konnten seitdem deutlich zulegen; Lindner, Göring-Eckardt und Özdemir zumindest leicht. Etwas nach unten gingen die Werte für die beiden AfD-Kandidaten.

Wissen Sie schon, was Sie wählen oder brauchen Sie eine Entscheidungshilfe? Das Wahl-Navi kann Ihnen dabei helfen, herauszufinden, welche Partei Ihnen am nächsten steht. Probieren Sie es hier aus.

Quelle: n-tv.de

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