Dienstag, 11. November 2008
11. November 1918: Polen feiert Unabhängigkeit
90 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hat Polen mit Zeremonien im ganzen Land der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit gedacht. Auf Einladung von Staatspräsident Lech Kaczynski nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel an der zentralen Feier auf dem Warschauer Pilsudski-Platz teil.
Daneben verfolgen 15 ausländische Staatschefs, darunter die Präsidenten Afghanistans, Hamid Karsai, und der Ukraine, Viktor Juschtschenko, die Zeremonie. Die Feiern begannen mit einem Appell am Grab des Unbekannten Soldaten.
Walesa nicht eingeladen
Der polnische Friedensnobelpreisträger Lech Walesa fehlte bei den offiziellen Feiern in Warschau. Präsident Kaczynski hatte den Mitbegründer der Solidarnosc und Ex-Staatschef nicht eingeladen. Lech Kaczynski und sein Bruder Jaroslaw, Chef der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), waren in den 80er Jahren enge Mitstreiter Walesas gewesen. Anfang der 90er Jahre kam es zum Bruch. Heute beschuldigen sie Walesa, Agent des kommunistischen Geheimdienstes gewesen zu sein.
Polen war seit dem Ende des 18. Jahrhunderts unter Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt. Erst der Zusammenbruch aller drei Kaiserreiche im Ersten Weltkrieg machte die Wiederherstellung des polnischen Nationalstaates möglich. Am 11. November 1918 übernahm der spätere polnische Staatschef Jozef Pilsudski die Militärgewalt im deutsch besetzten Warschau. Dieser Tag gilt seitdem als symbolische Wiedergeburt Polens und wird als Nationalfeiertag begangen.
Der 11. November ist in Polen von hoher symbolischer Bedeutung, weil er zu Zeiten der kommunistischen Regierung nicht gefeiert werden durfte. Erst nach der Wende 1989 wurde der 11. November wieder offizieller Feiertag, was eine Forderung der Gewerkschaft Solidarnosc gewesen war.
Kranzniederlegung bei Verdun
Auch Frankreich, in den USA sowie in Großbritannien und Staaten des Commonwealth wird am 11. November an die Toten des Ersten Weltkriegs erinnert. In Frankreich gedachten zahlreiche Vertreter europäischer Staaten der mehr als 8,5 Millionen gefallenen Soldaten.
Bei Verdun legte der französische Staatschef Nicolas Sarkozy gemeinsam mit dem deutschen Bundesratspräsidenten Peter Müller einen Kranz nieder. Auch der britische Thronfolger Prinz Charles und EU-Kommissionspräsident Jos Manuel Barroso waren zu der feierlichen Zeremonie gekommen. Sarkozy erinnerte in einer Rede an das unermessliche Leid der Soldaten und der Angehörigen. "Wir dürfen keinen Einzigen vergessen", sagte der Präsident in Douaumont.
Douaumont liegt nur wenige Kilometer von Verdun entfernt - der Stadt, die seit Jahrzehnten für die Sinnlosigkeit des Krieges steht Bei Verdun starben 1916 in einer 300 Tage andauernden Schlacht mehr als 300.000 Menschen. Von Februar bis Dezember kämpften Deutsche und Franzosen erbittert um die Stadt an der Maas.
Letzter "Veteranentag" mit Bush
Mit Kranzniederlegungen und der Wiedereinweihung eines nationalen Museums begingen die Amerikaner den "Veteranentag". US-Präsident George W. Bush wandte sich in New York auf dem historischen Flugzeugträger "Intrepid" aus dem Zweiten Weltkrieg an die Streitkräfte und ehrte die Kriegstoten mit einer Kranzniederlegung. Es war das letzte Mal, dass er als Präsident den "Veteranentag" beging, der seit 1938 in den USA ein nationaler Feiertag ist.
Der künftige Präsident Barack Obama versprach den US-Streitkräften in einer schriftlichen Erklärung, dass er sich als ihr neuer Oberbefehlshaber tagtäglich für ihre Belange einsetzen werde. Obama legte in seiner Heimatstadt Chicago einen Kranz an einem Soldatendenkmal nieder.
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