Politik
Besucher des Konzerts trugen offen neonazistische Symbolik.
Besucher des Konzerts trugen offen neonazistische Symbolik.(Foto: imago/Michael Trammer)
Montag, 17. Juli 2017

Thüringer Neonazi-Festival: Polizei ermittelt nach Hitlergruß-Video

Nach einem Rechtsrock-Konzert mit Tausenden Gästen ermittelt die Polizei, weil Teilnehmer wiederholt den Hitlergruß zeigten. Ein Video von dem Vorfall kursierte zuvor in den sozialen Medien. Auch zahlreiche weitere Straftaten werden angezeigt.

Die Thüringer Polizei ermittelt nun wegen der Verwendung des Hitlergrußes bei dem Neonazi-Konzert am Samstag im südthüringischen Themar. Anlass war ein in Sozialen Netzwerken geteiltes Video, das bei dem Konzert aufgenommen wurde und auf dem Dutzende Teilnehmer wiederholt den Hitlergruß zeigen. Die Polizei bat die Nutzer auf Twitter und Facebook, weitere Originalaufnahmen einzusenden. Das Video habe der Urheber aufgrund "massiver bundesweiter Nachfrage" wieder gelöscht, schrieb die Polizei bei Twitter.

Die Polizei selbst habe nicht in dem Zelt filmen dürfen, in dem die Bands aufgetreten waren, sagte ein Sprecher dem "Spiegel". Dies sähen die Regeln zur Begleitung öffentlicher Veranstaltungen durch die Polizei vor. Der Veranstalter sei vor der Veranstaltung darauf hingewiesen worden, dass das Zeigen des Hitlergrußes zu unterbinden sei.

Knapp 6000 Anhänger der rechten Szene aus dem In- und Ausland hatten am Samstag das bundesweit wohl größte Neonazi-Konzert des Jahres im südthüringischen Themar besucht. Der Zulauf zu den Gegenprotesten war entgegen der Erwartungen verhalten. Statt der erwarteten 2000 Menschen demonstrierten in der 3000-Einwohner-Stadt mehrere 100 gegen das Festival.

46 Strafanzeigen eingegangen

Dem Landesinnenministerium zufolge wurden 46 Strafanzeigen aufgenommen, unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung, Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz. Sechs Menschen wurden vorläufig festgenommen, von 440 weiteren wurde die Identität festgestellt. Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger sagte: "Das Konzept der Polizei ist hervorragend aufgegangen, die Polizei hatte die Lage jederzeit im Griff."

Die Abreise der Konzertbesucher in der Nacht zum Sonntag verlief problemlos. Rund 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern waren im Einsatz - auch, um ein Aufeinandertreffen der Teilnehmer des Rockkonzerts mit den Gegendemonstranten zu verhindern. Die Rock-Konzert-Besucher, teils mit T-Shirt-Aufschriften wie "Sturm auf Themar" oder "Frei wie ein Vogel", wurden vor Eintritt in das mit hohen Gittern eingezäunte Festivalgelände von der Polizei durchsucht.

Quelle: n-tv.de

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