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Junge Demokratie mit grausiger Vergangenheit: In Kigali erinnert unter anderem auch dieses Transparent an den Völkermord von 1994.
Junge Demokratie mit grausiger Vergangenheit: In Kigali erinnert unter anderem auch dieses Transparent an den Völkermord von 1994.(Foto: REUTERS)

Terrorverdacht tief in Afrika: Polizei erschießt IS-Anhänger in Ruanda

Beunruhigender Vorfall in Ruanda: Ein Verdächtiger kommt unter bislang ungeklärten Umständen durch Polizeikugeln ums Leben. Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann Kämpfer für den "Islamischen Staat" anwerben wollte.

Die Polizei in Ruanda hat nach eigenen Angaben ein mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) getötet. Der stellvertretende Imam einer Moschee in der Hauptstadt Kigali habe Sympathisanten für den IS angeworben, sagte ein Polizeisprecher. Seinen Namen gaben die Behörden mit Muhammad Mugemangango an.

Nach seiner Verhaftung gerieten die Dinge offenbar außer Kontrolle: Mugemangango sei beim Versuch, aus dem Polizeigewahrsam zu fliehen, erschossen worden, hieß es. Sicherheitsexperten sehen in dem Fall Hinweise auf eine bedenkliche Entwicklung: Wenn sich die Verdachtsmomente der örtlichen Behörden im Lauf weiterer Ermittlungen bestätigen, wäre der Fall Mugemangango der erste konkrete Hinweis darauf, dass fanatische Islamisten in Ruanda um Unterstützung werben.

Muslime in der Minderheit

Eine größere muslimische Gemeinde gibt es in dem Binnenstaat Ruanda zwischen Kongo, Uganda und Tansania nicht. Nur etwa zwei Prozent der rund elf Millionen Einwohner Ruandas verstehen sich als Angehörige muslimischer Glaubensrichtungen. Hauptstadt Ruandas ist Kigali.

Unwahrscheinlich sind Aktivitäten der Terrororganisation IS vor Ort nicht. Fanatische Islamisten bemühen sich in verschiedenen afrikanischen Staaten um Anhänger und Unterstützer. Im Norden, Westen und Osten des riesigen Kontinents verfügen IS-Anhänger bereits in Libyen, dem ägyptischen Sinai, in Somalia und dem Nordosten Kameruns längst über weitgehend sichere Rückzugsgebiete.

Ruanda zählt bislang nicht zu den erklärten Zielen der IS-Ideologen. Das Land steht derzeit allerdings an einem wichtigen politischen Wendepunkt. Trotz vehementer Kritik aus dem In- und Ausland will sich der amtierende Präsident Paul Kagame um eine dritte Amtszeit bewerben.

21 Jahre Jahre nach dem Völkermord

Der 58-jährige Kagame ist de facto seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1994 an der Macht, bekleidet aber erst seit dem Jahr 2000 das Amt des Präsidenten. Im vergangenen Dezember hatten nach offiziellen Angaben mehr als 98 Prozent der rund 6,4 Millionen wahlberechtigten Ruander für eine Verfassungsänderung gestimmt. Diese erlaubt es Kagame theoretisch, bis ins Jahr 2034 weiter zu regieren.

Kagame ist in Ruanda sehr beliebt, da er nach dem Völkermord von 1994 mit rund 800.000 Toten für Stabilität und Wirtschaftswachstum sorgen konnte. Er regiert jedoch mit zunehmend harter Hand. Presse und Opposition leiden Beobachtern zufolge unter immer schärferen Repressionen. Zu befürchten steht, dass die junge afrikanische Demokratie in ein autoritär geführtes System abgleiten könnte.

Quelle: n-tv.de

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