"Derzeit höchste Anführer" Polizei gelingt Schlag gegen ETA
Französischen Fahndern ist offenbar der derzeit ranghöchste Führer der baskischen Untergrundorganisation ETA ins Netz gegangen. Ihm werden Beteiligungen an der Tötung eines Polizisten sowie den Anschlägen auf Mallorca vorgeworfen.
Die französische Polizei hat offenbar zwei Anführer der baskischen Untergrundorganisation ETA gefasst. Bei einem Großeinsatz im Südwesten Frankreichs nahmen Fahnder den mutmaßlichen militärischen Anführer der ETA, Mikel Karrera Sarobe, sowie seinen Stellvertreter fest. Letzterer soll mit den tödlichen Schüssen auf einen französischen Polizisten im März zu tun haben.
Nach Angaben der spanischen Regierung ist Sarobe der "derzeit höchste Anführer" der baskischen Untergrundorganisation. Er sei als militärischer Führer der ETA der am meisten gesuchte Mann Spaniens, sagte der spanische Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba. Mit Karrera Sarobe wurde bereits der fünfte Militärchef der ETA binnen zwei Jahren gefasst.
Karrera Sarobe alias "Ata" war am Donnerstagmorgen in Südwestfrankreich zusammen mit vier weiteren Verdächtigen festgenommen worden. Er werde beschuldigt, an den meisten der ETA-Operationen der jüngsten Zeit beteiligt gewesen zu sein, sagte der Minister. Dies gelte unter anderem für den Fund eines mit Sprengstoff beladenen Lieferwagens unweit der portugiesischen Grenze in Spanien im Januar. Er werde zudem verdächtigt, die Anschläge auf Mallorca im vergangenen Sommer in Auftrag gegeben zu haben. Dort waren im August mehrere Bomben gezündet worden, wobei zwei Polizisten ums Leben gekommen waren.
Tod eines Polizisten
Die Fahnder überwältigten Sarobe alias "Ata" und seinen mutmaßlichen Stellvertreter, Arkaitz Aguirregabiria del Barrio, demnach am frühen Morgen in einem Haus in Bayonne. Aguirregabiria del Barrio sei an der Schießerei in der Nähe von Paris beteiligt gewesen, bei der im März ein französischer Polizist ums Leben gekommen war.
Die ETA hatte sich Anfang April zu den tödlichen Schüssen auf den 52-jährigen Beamten bekannt, hatte aber die französische Polizei für die Schießerei verantwortlich gemacht. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte nach der Tat angekündigt, dass die Polizei die Täter finden werde und dass ihnen harte Strafen drohten. Wer einen Polizisten erschieße, müsse kategorisch für 30 Jahre hinter Gitter, forderte der Präsident. "Damit eines klar ist, Frankreich wird sich von spanischen Terroristen nicht einschüchtern lassen."
Serie von Festnahmen
Seit Jahresbeginn wurden mehr als dreißig mutmaßliche ETA-Mitglieder gefasst, unter ihnen auch Ibon Gogeascoechea Arronategui. Er ging der französischen Polizei im Februar in der Normandie ins Netz - laut Vasco Press folgte ihm der jetzt festgenommene Sarobe seinerzeit an der Spitze des Militärapparates nach.
Die von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestufte ETA kämpft seit vier Jahrzehnten gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes im Norden Spaniens und im Süden Frankreichs. Sie wird für den Tod von rund 830 Menschen verantwortlich gemacht.