Politik

"Eigenheit des Humanisten": Portugal führt Homo-Ehe ein

Joana und Raquel Freire feiern vor dem Parlament in Lissabon.
Joana und Raquel Freire feiern vor dem Parlament in Lissabon.(Foto: REUTERS)

Die Homo-Ehe soll in Portugal künftig möglich sein. Die Abgeordneten des Parlaments in Lissabon stimmten in erster Lesung einem Gesetzentwurf der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident José Sócrates zu, der das Recht von Homosexuellen auf Eheschließung vorsieht. Ein Entwurf der Grünen und der Linken, Homosexuellen auch das Adoptionsrecht zuzugestehen, wurde jedoch abgelehnt.

Die Abstimmung verlief entlang der Parteigrenzen, die linke Mehrheit stimmte dafür, die rechte Opposition dagegen. Nach der ersten Lesung wandert das Gesetz zurück in die Ausschüsse. Anschließend gibt es eine Schlussabstimmung im Parlament.

Das Recht auf Adoption fand dagegen keine Mehrheit. Eine Abgeordnete des Linksblocks, Helena Pinto, kritisierte, dass so Schwulen und Lesben weiterhin Bürger zweiter Klasse blieben. Sócrates sagte, er sei gegen das Adoptionsrecht, weil dies nicht das Recht eines Paares betreffe, sondern die Rechte eines Kindes.

"Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Humanismus"

Kurz vor der Abstimmung hatte Sócrates das Recht der Homosexuellen auf Eheschließung im Namen von "Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und Humanismus" verteidigt. "Die Eigenheit des Humanisten ist es, dass er sich durch die Herabsetzung eines anderen herabgesetzt fühlt, dass er sich durch den Ausschluss des anderen ausgeschlossen fühlt, dass er seine Freiheit durch Freiheitsentzug für einen anderen eingeschränkt sieht", sagte Sócrates vor dem Parlament. Der vorliegende Gesetzentwurf solle das jahrzehntelange Unrecht gegenüber Homosexuellen wiedergutmachen. Homosexualität wurde bis 1982 in Portugal als Straftat behandelt. Die Debatte dauerte insgesamt drei Stunden.

Die Debatte über die geplante Neuregelung in Portugal verlief verhältnismäßig unaufgeregt - anders als vor der entsprechenden Neuregelung im benachbarten Spanien 2005. Obwohl auch Portugal stark vom Katholizismus geprägt ist, gab die katholische Kirche frühzeitig zu erkennen, dass sie sich aus der Gesetzgebung heraushalten wolle.

Die Niederlande hatten 2001 als erste die Homo-Ehe der traditionellen Ehe vollständig gleichstellt, andere Staaten wie Belgien, Neuseeland, Kanada und Spanien zogen nach. In Deutschland und weiteren Staaten gibt es eine teilweise Gleichstellung, die in Deutschland als "Eingetragene Lebenspartnerschaft" bezeichnet wird.

Quelle: n-tv.de

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