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Kleine Zwischenfälle in Frankfurt: Protest am Abend bleibt weitgehend friedlich

Die Eröffnung des EZB-Neubaus am Morgen wird von gewalttätigen Auseinandersetzungen begleitet. Nach einer friedlichen Veranstaltung am Nachmittag gibt es bei der abendlichen Demonstration laut Polizei wieder kleinere Auseinandersetzungen.

Nach den schweren Ausschreitungen rund um die Einweihung der EZB-Zentrale in Frankfurt am Morgen ist die Großdemonstration am späten Nachmittag friedlich geblieben. Mehr als 17.000 Menschen nahmen an einer Kundgebung und anschließender Demonstration in der Innenstadt teil. Die Organisatoren sprachen von mehr als 20.000 Teilnehmern. Die Polizei Frankfurt meldete über Twitter nur ein paar kleinere Auseinandersetzungen. So seien Steine geworfen und Bengalos gezündet worden.

An den teils gewalttätigen Protesten am Morgen hatten sich nach Schätzungen der Blockupy-Organisatoren rund 6000 Menschen beteiligt. 1000 von ihnen seien Aktivisten aus dem Ausland gewesen, sagte Christoph Kleine, ein Sprecher des Blockupy-Bündnisses. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen Randalierer ein und nahm 15 Personen fest. Rund 220 Personen sollen bei den Auseinandersetzungen verletzt worden seien, darunter rund 94 Polizisten.

Blockupy-Anmelder Ulrich Wilken zeigte sich "entsetzt und bestürzt" angesichts der Gewalt am frühen Morgen. Der Linken-Politiker äußerte jedoch auch Verständnis "für die Wut und die Empörung" der Demonstranten auf die Politik der Europäischen Zentralbank.

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Wilkens Parteikollegin, die Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel, verglich die Ausschreitungen mit den Protesten für mehr Demokratie in der Ukraine. "Auf dem Maidan in Kiew waren Rauchschwaden für die Presse Zeichen der Freiheitsbewegung", schrieb Hänsel bei Twitter. Gegen das kapitalismuskritische Blockupy-Bündnis, das in Frankfurt gegen die Europäische Zentralbank demonstrierte, betreibe die Presse hingegen Stimmungsmache.

Am Nachmittag hat die Frankfurter Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter ein Video vom Angriff vermummter Demonstranten auf das Polizeirevier in der Einkaufsmeile Zeil veröffentlicht. Es zeigt eine Gruppe meist schwarz gekleideter Männer, die Steine gegen das Gebäude werfen. Ein Demonstrant schlägt mit dem Hammer die Scheibe eines Polizeiautos ein.

Mindestens zwei Einsatzwagen stehen in Flammen. Der Film wurde vom Inneren der Wache gedreht. Bestürzt hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu den Attacken gegen die Sicherheitskräfte geäußert. "Niemand hat das Recht, Polizei- und Feuerwehrbeamte an Leib und Leben zu gefährden."

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, hat die Ausschreitungen als die schlimmsten Angriffe auf Polizisten in den vergangenen Jahren bezeichnet. "An solch brutale Auseinandersetzungen kann ich mich in jüngster Zeit hier in Deutschland nicht erinnern", sagte Malchow. Die Angriffe hätten ein "kaum noch erträgliches Maß" erreicht. Viele gewaltbereite Demonstranten gingen gezielt auf die Beamten los, kritisierte Malchow. Vorwürfe von Aktivisten und Linken-Politikern, die Polizei trage eine Mitschuld an der Eskalation, wies Malchow entschieden zurück. Die Gewalt werde "in keiner Weise von der Polizei provoziert".

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Quelle: n-tv.de

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