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Laut Putin haben die Wirtschaftssanktionen gegen Russland auch ihr Gutes für das Land.
Laut Putin haben die Wirtschaftssanktionen gegen Russland auch ihr Gutes für das Land.(Foto: REUTERS)

Ölpreisverfall schlimmer als Strafen: Putin nennt Sanktionen "absurdes Theater"

In der "Bild"-Zeitung legt Putin seine Sicht auf die Lage Russlands und die Beziehungen zum Westen dar. Die russische Wirtschaft sieht er auf dem Weg der Besserung. Zudem erzählt er, warum er sich einst bei Merkel entschuldigt habe.

Die anhaltend niedrigen Öl- und Gaspreise setzen Russland nach Darstellung von Präsident Wladimir Putin stärker zu als die Sanktionen des Westens wegen der Krim-Krise. Zwar schadeten die Strafmaßnahmen Russland bei dem Agieren auf den internationalen Finanzmärkten deutlich, sagte Putin der "Bild". "Größerer Schaden entsteht derzeit jedoch durch den Verfall der Energiepreise. Beim Export von Öl und Gas haben wir gefährliche Einnahme-Einbußen zu verzeichnen, die wir an anderer Stelle zum Teil ausgleichen können."

Bewusste Provokation? Merkel fühlte sich beim Treffen mit Putin und dessen Hund sichtlich unwohl.
Bewusste Provokation? Merkel fühlte sich beim Treffen mit Putin und dessen Hund sichtlich unwohl.(Foto: dpa)

Putin nannte die Strafmaßnahmen des Westens gegen sein Land in dem Interview töricht. "Die Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zurückdrängen." Insgesamt seien die Sanktionen gegen sein Land "absurdes Theater". Das Ganze habe aber auch ein Gutes: "Wenn man - wie wir früher - so viele Petro-Dollars einnimmt, dass man im Ausland alles kaufen kann, dann bremst das die Entwicklungen im eigenen Land", sagte Putin. Auf Russlands eigene Sanktionen gegen die EU ging Putin nicht ein.

Putin wiederholte seine Ansicht, dass die Annektion der ukrainischen Krim aufgrund einer Volksabstimmung und damit auf Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker erfolgt sei. Die russischen Soldaten, die auf der Halbinsel einmarschiert waren, hätten "lediglich die ukrainischen Truppen daran gehindert, die freie Meinungsäußerung der Menschen dort zu behindern".

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Russland stabilisiere seine Wirtschaft derzeit trotz Sanktionen und Ölpreisverfall Schritt um Schritt, sagte Putin weiter. "Das Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gesunken, die Industrieproduktion um 3,3 Prozent. Die Inflation liegt bei 12,7 Prozent", sagte er. Die Handelsbilanz sei jedoch positiv und Russland exportiere zum ersten Mal seit Jahren deutlich mehr Güter mit hoher Wertschöpfung. Russland besitze "über 300 Milliarden Dollar an Goldreserven", ergänzte der Präsident weiter.

Die EU hatte Sanktionen gegen Russland mit der Begründung beschlossen, die Führung in Moskau unterstütze die Separatisten im Osten der Ukraine unter anderem mit Waffen in ihrem Aufstand gegen die gewählte Regierung in Kiew. Die Strafmaßnahmen wurde jüngst verlängert. Vertreter der deutschen Wirtschaft hat den Schritt scharf kritisiert.

Putin wusste nichts von Merkels Hunde-Angst

Putin bestätigte, dass er im Februar nicht zur Münchner Sicherheitskonferenz kommen wird. Zugleich rief er den Westen auf, im Kampf gegen Islamisten enger mit Russland zusammenzuarbeiten. "Ja, wir sollten weltweit viel enger zusammenstehen im Kampf gegen den Terror, der eine große Herausforderung ist", sagte Putin.

In dem Interview räumte Putin auch den Vorwurf aus, er habe bei einem Treffen 2007 Bundeskanzlerin Angela Merkel absichtlich provoziert und in eine unangenehme Lage gebracht, indem er seine Labrador-Hündin Koni in dem Raum herumlaufen ließ. Dass die Kanzlerin Angst vor Hunden habe, habe er nicht gewusst. "Als ich erfuhr, dass sie Hunde nicht mag, habe ich mich natürlich entschuldigt." Merkel hatte die Situation damals überspielt. Auf deutscher Seite wurde aber nicht ausgeschlossen, dass der Kremlchef die Kanzlerin in Bedrängnis bringen wollte.

Quelle: n-tv.de

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