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Im Bild ein Stealth-Jagdbomber vom Typ F-22 "Raptor".
Im Bild ein Stealth-Jagdbomber vom Typ F-22 "Raptor".(Foto: REUTERS)

Fronten in Syrien-Frage verhärtet: Obama bleibt auf Kriegskurs

Auf dem G20-Gipfel herrscht Eiszeit zwischen den Supermächten: Russlands Präsident Putin lehnt eine Strafaktion gegen das Assad-Regime weiter ab. US-Präsident Obama hält an seinen Kriegsplänen fest - will diese offenbar sogar ausweiten.

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US-Präsident Barack Obama scheint im Syrien-Konflikt weitgehend isoliert. Auf dem G20-Gipfel in St. Petersburg zeigte der russische Präsident Wladimir Putin Obama die kalte Schulter und lehnte eine Strafaktion gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad abermals ab. Dennoch zeigt sich Obama fest entschlossen zum Militärschlag. Einem Bericht der "New York Times" zufolge treibt er seine Kriegspläne gegen Syrien weiter voran. Wie die Zeitung berichtet sollen mehrere Ziele ins Visier genommen werden. Es gehe darum, die Chemiewaffen des Regimes in Damaskus effektiver zu treffen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungsbeamte.

Obama reagiere damit auch auf Geheimdienstberichte, wonach syrische Militärs ihre Waffenarsenale in Erwartung eines Angriffs verlegt hätten. Er habe das Pentagon bereits entsprechend angewiesen. Bisher habe das Pentagon etwa 50 Ziele ins Auge gefasst, hieß es. Zudem spreche die Regierung erstmals über einen Einsatz amerikanischer und französischer Kampfflugzeuge, die ausgewählte Ziele angreifen sollten.

Putin schickt Kriegsschiff

Derweil schickte Russland ein weiteres Kriegsschiff Richtung Syrien. Das Landungsschiff "Nikolai Filtschenkow" der Schwarzmeerflotte habe den Hafen in Sewastopol auf der ukrainischen Halbinsel Krim verlassen, meldet die Agentur Interfax unter Berufung auf den Stab der russischen Kriegsmarine. Das Boot der Alligator-Klasse kann bis zu 20 Panzer an Bord nehmen sowie bis zu 300 Soldaten. Moskau ist ein enger Partner des Regimes in Damaskus und hatte zuletzt mehrere Kriegsschiffe in Richtung Syrien in Gang gesetzt. Sie sollten notfalls helfen, russische Bürger in Sicherheit zu bringen, betonte der Chef der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow.

Russland warnte die USA zudem vor einem Angriff auf syrische Chemiewaffenlager gewarnt. Moskau sehe "mit Sorge", dass militärische Einrichtungen für das Chemiearsenal unter den möglichen Zielen für eine Attacke der USA seien, erklärte das russische Außenministerium in Moskau. Ein Angriff der USA oder ihrer Verbündeter berge das Risiko, dass "hochgiftige" Stoffe austreten könnten - mit entsprechenden "Folgen für die Zivilbevölkerung und die Umwelt". Zudem erhielten möglicherweise "Rebellen und Terroristen" Zugriff auf Chemiewaffen, hieß es weiter.

UN wollen Giftgas-Bericht vorlegen

Obama hatte darauf gehofft, auf dem Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenstaaten Rückendeckung für einen Militärschlag gegen Syrien zu erhalten. Neben Russland demonstrierte aber auch China seine Ablehnung. Beide Länder haben als ständige Mitglieder ein Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat, von dem sie bereits mehrmals Gebrauch gemacht haben. Obama sieht die syrische Führung hinter dem Giftgasangriff auf Zivilisten am 21. August mit wohl Hunderten Toten. Putin vermutet syrische Rebellen hinter der Tat.

Die Vereinten Nationen wollen den Bericht ihrer Experten zum mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien deutschen Regierungskreisen zufolge bald vorlegen. Nach einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hieß es am Rande des G20-Gipfels in St. Petersburg: "Er stellt in Aussicht, dass schnellstmöglich ein Bericht kommen soll." Wann das sein wird, blieb offen. "Der Generalsekretär hat klargemacht, dass man das mit hohem Tempo macht", sagte ein Regierungsvertreter. Merkel und Außenminister Guido Westerwelle hätten ihr großes Interesse betont, dass der Bericht schnell vorgelegt werden sollte.

Geheimer Befehl aus Teheran abgefangen

Unterdessen ordnete der Iran offenbar Angriffe auf US-Ziele im Irak an, sollte es zu einem Militärschlag gegen Syrien kommen. Ein mögliches Ziel sei die US-Botschaft in Bagdad, zitierte das "Wall Street Journal" namentlich nicht genannte Vertreter der Regierung in Washington. Der Befehl stamme vom Chef der Kuds-Spezialeinheit der Revolutionsgarden und sei an vom Iran unterstützte schiitische Milizen im Irak gerichtet gewesen. Der Iran ist der wichtigste regionale Verbündete der Führung in Damaskus.

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Quelle: n-tv.de

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