Politik
Wladimir Putin erwartet eine Entschuldigung von der Türkei.
Wladimir Putin erwartet eine Entschuldigung von der Türkei.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 26. November 2015

"Türkei steuert in Sackgasse": Putin will Entschuldigung - Erdogan lehnt ab

Zwischen Russland und der Türkei sind die Misstöne nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs weiter nicht ausgeräumt. Die beiden Präsidenten zeigen sich unbeirrt. Bewegung gibt es wohl hinter den Kulissen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei erneut schwere Vorwürfe gegen das Nato-Land erhoben. "Wir haben noch immer keine klare Entschuldigung von der türkischen Führung erhalten", sagte er laut einem Fernsehbericht. "Es sieht so aus, dass die türkische Regierung die Beziehungen bewusst in eine Sackgasse steuert." Zudem gebe es "keine Zusage, die für das Verbrechen Verantwortlichen zu bestrafen".

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Dies aber lehnt der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan strikt ab: "Ich denke, wenn es eine Seite gibt, die sich entschuldigen muss, dann sind das nicht wir", sagte er in einem bereitgestellten Interview mit dem Sender CNN International. "Die, die unseren Luftraum verletzt haben, sind diejenigen, die sich entschuldigen müssen."

Ein russicher Präsidialamtssprecher ergänzte, dass auch eine realistische Erklärung, warum die türkische Luftwaffe den Jet ins Visier genommen habe, noch ausstehe. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an dem Vorfall. Unmittelbar nach dem Zwischenfall am Dienstag hatte Putin den Abschuss als "Dolchstoß" bezeichnet, der von "Verbündeten von Terroristen" ausgeführt worden sei. Der Türkei zufolge hatte der Jet den Luftraum verletzt und wurde mehrfach gewarnt. Russland bestreitet dies.

Erdogan: Russland unterstützt Assad

Mit einem Seitenhieb konterte Erdogan zudem russische Vorwürfe einer Komplizenschaft mit der IS-Miliz, die weite Teile Syriens und des Irak kontrolliert. Die russischen Bombardements in der syrischen Provinz Latakia dienten nicht dem Kampf gegen den, sondern der Unterstützung Assads. Die Türkei werde weiter moderate Rebellen und turkmenische Milizen im Kampf gegen Assad unterstützen. Anschuldigungen, die Türkei kaufe vom IS Öl, bestritt er.

Die Türkei habe Maßnahmen ergriffen, um den Ölschmuggel an der Grenze zu unterbinden. Aus dem Land kamen aber auch moderate Töne. Den Luxus eines unfreundlichen Verhältnisses könnten sich beide Seiten nicht leisten, sagte EU-Minister Volkan Bozkir. Er gehe davon aus, dass die Beziehungen zur Regierung in Moskau gepflegt würden.

Direktes Treffen geplant?

Ungeachtet der neuerlichen Anschuldigungen bemüht sich die Türkei offenbar aber um eine Beilegung der Krise und sucht laut einem Zeitungsbericht einen direkten Kontakt zu Putin. Angedacht sei ein Gespräch am Rande eines Treffens der Staats- und Regierungschefs zum Auftakt der zweiwöchigen UN-Klimakonferenz am Montag in Paris, berichtete die regierungsnahe türkische Zeitung "Yeni Safak". Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte hingegen, ein solches Treffen sei nicht im Gespräch.

Zuvor hatte US-Außenminister John Kerry in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zur Deeskalation aufgerufen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich in einem Telefongespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu für Entspannung eingesetzt.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten am Dienstag einen russischen Bomber vom Typ Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossen, weil das Flugzeug nach Angaben der türkischen Armee trotz wiederholter Warnungen in den türkischen Luftraum eingedrungen war. Das russische Verteidigungsministerium erklärte dagegen, die Su-24 sei über syrischem Gebiet geflogen.

Quelle: n-tv.de

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