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Eine Aktion von Amnesty International vor der saudischen Botschaft in Mexiko City. Die weltweite Anteilnahme ist groß, zeigt bisher allerdings keine Wirkung.
Eine Aktion von Amnesty International vor der saudischen Botschaft in Mexiko City. Die weltweite Anteilnahme ist groß, zeigt bisher allerdings keine Wirkung.(Foto: REUTERS)

Erneuter Prozess gegen Blogger: Raif Badawi droht die Todesstrafe

Wochenlang werden die Peitschenhiebe für den saudi-arabischen Blogger Raif Badawi ausgesetzt. Doch die Tortur ist noch nicht vorüber. Im Gegenteil: Dem Aktivisten droht ein neuer Prozess, der tödliche Folgen haben könnte. Badawis Ehefrau ist verzweifelt.

Dem saudi-arabischen Blogger Raif Badawi droht offenbar die Todesstrafe. Seine Ehefrau Ensaf Haidar sagte der britischen Zeitung "Independent", ihr Mann könnte zum Tode verurteilt werden, komme es zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens. Nach ihren Angaben soll Badawi erneut vor Gericht und wegen Apostasie angeklagt werden - das ist der Abfall vom Glauben. Darauf steht in Saudi-Arabien die Höchststrafe. Haidar sagt, sie habe diese Informationen aus "offiziellen Quellen" des Königreichs.

2013 wurde nach Angaben der "Independent" bereits eine Anklage wegen Apostasie gegen Badawi fallengelassen, nachdem er versicherte hatte, Muslim zu sein. Als Beweismittel gegen ihn sei damals angeführt worden, dass er bei einer Facebook-Seite für arabische Christen "Gefällt mir" geklickt hatte.

Haidar bittet Deutschland um Hilfe

Im ZDF bat Badawis Ehefrau den deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel um Hilfe für ihren Mann. Gabriel solle sich bei seiner bevorstehenden Reise nach Saudi-Arabien für die Freilassung und Ausreise ihres Mannes einsetzen, sagte sie.  "Ich wünsche mir, dass Vizekanzler Gabriel mit den Verantwortlichen in Saudi-Arabien in Verbindung tritt und sie um Raifs Freilassung bittet und nicht darum, dass er von Saudi-Arabien nach Kanada ausreisen kann", sagte Haidar.

Gabriel versicherte im Gegenzug, die Bundesregierung setze sich bereits jetzt für eine Freilassung Badawis ein. "Gegenüber wem wir das tun, wie wir das tun, sollten wir sinnvollerweise nicht im Fernsehen besprechen. Jedenfalls dann nicht, wenn man dem Mann helfen will", sagte der SPD-Vorsitzende, der am kommenden Samstag zu einem Wirtschaftstreffen nach Saudi-Arabien reist. Er werde auf jeden Fall mit der saudischen Regierung über Menschenrechte sprechen, kündigte Gabriel an.

Badawi war 2012 verhaftet und im Mai vergangenen Jahres zu zehn Jahren Haft, 1000 Stockschlägen und einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt haben soll. Die ersten 50 Hiebe erhielt er im Januar. Seitdem wurde die weitere Vollstreckung der Strafe ausgesetzt, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Der Fall löste weltweit scharfe Kritik an dem islamisch-konservativen Königreich aus. Wie es Badawi gesundheitlich geht, ist nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de

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