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Teure Rechtschreibreform-ReformRatzfatz neue Schulbücher

03.03.2006, 19:24 Uhr

Nach der Korrektur der umstrittenen Rechtschreibreform sollen bereits zum neuen Schuljahr neue Bücher erscheinen. Klar ist: Das kostet.

Nach der Korrektur der umstrittenen Rechtschreibreform sollen neue Schulbücher bereits zum neuen Schuljahr Anfang September erscheinen. "Das kostet uns wieder einen Haufen Geld. Aber ab morgen werden wir die ersten Deutsch-Bücher korrigieren", sagte Programm-Geschäftsführer Peter Schell vom Verlag Westermann/Schroedel/Diesterweg. Der Verlag gibt knapp 10.000 unterschiedliche Schulbücher heraus. Auch der Ernst Klett Verlag in Stuttgart will Zug um Zug die Änderungen umsetzen, die die Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossen hat.

Inwieweit die Zeitungen und Zeitschriften sich der geänderten Rechtschreibung anschließen, ist noch offen. Die Nachrichtenagenturen, die an der Erarbeitung der modifizierten Regeln beteiligt waren, wollen sich noch im März treffen, um über ihre künftigen Schreibweisen zu beraten. Danach wollen sie ihren Kunden einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen.

Springer will noch prüfen

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte bereits zum Jahreswechsel die Empfehlungen des Rates für Rechtschreibung umgesetzt. Der größte Teil der Printmedien und die Nachrichtenagenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten 1999 die wesentlichen Teile der neuen Rechtschreibung eingeführt, allerdings mit einigen Besonderheiten. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kehrte ein Jahr später zur alten Rechtschreibung zurück, 2004 folgte der Axel-Springer-Verlag diesem Beispiel.

Springer will bis Ende März prüfen, ob nach der KMK-Entscheidung etwas geändert wird. Über den künftigen Kurs des Verlags sagte Sprecherin Edda Fels: "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen." Am 30. März trifft sich die Ministerpräsidenten-Konferenz, die dem KMK-Beschluss noch formell zustimmen muss.

"Richtige Entscheidung"

Der Verband VdS Bildungsmedien - früher Verband der Schulbuchverlage - hält die Korrektur der Rechtschreibung für eine "richtige Entscheidung". "Sie wird hoffentlich lange Bestand haben", sagte Geschäftsführer Andreas Baer. Der Verband vertritt die Interessen der Firmen, die Medien für das Bildungswesen produzieren und war im Rat für deutsche Rechtschreibung vertreten, der die Änderungen nach einjähriger Arbeit vorgeschlagen hatte.

Der Aufwand sei überschaubar, weil die Schulen mit den bestehenden Büchern weiter machen könnten - ergänzt durch einige Materialien vor allem zur Getrennt- und Zusammenschreibung, sagte Baer. "Wir sind nicht mehr in der Situation wie 1996, dass wir wirklich mit Kraft neue Schulbücher- und Mediengenerationen entwickeln müssen." Der Übergang könne jetzt schrittweise erfolgen und "sprengt den Kostenrahmen nicht".

Pro Schulbuch, das nicht mehr einfach nachgedruckt, sondern überarbeitet werden muss, rechnet Baer mit Kosten von rund 6.000 Euro. "Wie viele Titel das sind, kann man jetzt aber noch nicht sagen."

"Da werden alle verrückt"

Die KMK hatte am Donnerstag die Änderungen an der umstrittenen Rechtschreibreform von 1996 beschlossen. Ab August können damit wieder bundesweit an allen Schulen die gleichen Rechtschreibregeln gelten. Auch Bayern und Nordrhein-Westfalen, die vor einem Jahr zunächst die weitere Umsetzung der Reform zurückgestellt hatten, sind dabei.

Schulbuchverlage, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Politiker äußerten die Hoffnung, das Thema Rechtschreibreform nun abschließen zu können. Die Rechtschreibung werde zwar nicht leichter und eindeutiger, aber die Schulen hätten so viel wichtigere Probleme, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer im Deutschlandradio Kultur. Sie sprach sich dagegen aus, zur neuen Schreibweise auch die alte Rechtschreibung zu erlauben. Es dürfe kein Nebeneinander von zwei oder drei Schreibweisen geben: "Da werden alle verrückt."

Nach Ansicht von Bundestagspräsident Norbert Lammert war die Rechtschreibreform "ein famoses Beispiel dafür, wie mühsam die Politik gelegentlich Lösungen für Probleme sucht, die sie selbst ohne Not geschaffen hat." Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU) sagte: "Wir sind am eher beruhigenden Ende eines qualvollen Weges. Jetzt kehrt endlich wieder Ruhe und Verbindlichkeit in der Rechtschreibung ein."