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Ermittler stellen Stuttgarter Studenten: Polizei verhindert Attentat mit Modellflugzeug

Sie studierten Luftfahrttechnik an der Uni Stuttgart - und wollten offenbar ihr Wissen missbrauchen: Polizisten stellen zwei radikale Islamisten, die Modellflugzeuge zu fliegenden Bomben umbauen wollten. Beamte durchsuchen neun Wohnungen, nehmen aber niemanden fest.

Zwei Studenten der Universität Stuttgart sind offenbar von einem perfiden Vorhaben abgehalten worden: Die beiden mutmaßlichen Islamisten sollen Sprengstoffanschläge mit ferngesteuerten Modellflugzeugen geplant haben. Wegen dieses Verdachts durchsuchten Polizisten Wohnungen in neun Häusern - Schwerpunkte waren der Raum Stuttgart sowie die bayerischen Städte München und Dachau. Auch in Sachsen und Belgien gab es Polizeiaktionen. Dabei habe es aber keine offizielle Festnahme gegeben, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Nur ein Mann wurde in Fellbach nahe Stuttgart in Handschellen abgeführt, kam aber wohl gleich wieder frei.

Vor dem Eingang eines Hauses im Olympiadorf in München legen Ermittler Beweismaterial in ihr Auto.
Vor dem Eingang eines Hauses im Olympiadorf in München legen Ermittler Beweismaterial in ihr Auto.(Foto: dpa)

Ermittler verdächtigten die zwei Beschuldigten, sich möglicherweise Gegenstände zum Bau von Modellflugzeugen beschafft zu haben, um damit Sprengstoffanschläge zu verüben. Die beiden sind laut Bundesanwaltschaft tunesischer Herkunft. Sie wurden mehr als ein Jahr lang beobachtet, wie aus Sicherheitskreisen bekannt wurde.

Ein Sprecher der Universität bestätigte der "Stuttgarter Zeitung", dass beide Verdächtige an Studienübungen und Praktika teilgenommen haben sollen, in denen Kentnisse erlernt werden, die man leicht missbrauchen kann. "Die Studenten lernen bei uns, so etwas zu konstruieren, zu bauen und zu steuern. Wer kriminelle Energie hat, kann sich die Teile überall kaufen", sagte er.

Geld für den "Heiligen Krieg"

Parallel dazu lief eine Razzia bei fünf Bekannten der beiden mutmaßlichen Terroristen. Sie sollen Geld gewaschen haben, um laut Medienberichten damit den "Heiligen Krieg" zu unterstützen. Auch die Beschuldigten in dieser Sache sollen Tunesier sein. Zudem wird ihnen die "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" vorgeworfen.

Bei den Razzien wegen der Modellflugzeug-Attentate sind dem Sender SWR und dem Bayerischen Rundfunk zufolge technisches Gerät und Unterlagen sichergestellt worden. Da die Polizei in einigen Wohnungen Waffen befürchtet habe, seien sie von Spezialeinsatzkommandos gestürmt worden.

Keine erhöhte Terrorgefahr

Dieser Schlag gegen die Islamistenszene in Deutschland deutet allerdings nicht auf eine hohe Terrorgefahr hin, sagte der Autor und Nahostexperte Michael Lüders bei n-tv: "Es gibt eine abstrakte Gefährdung, aber keine unmittelbare Gefahr. Das ist ein erheblicher Unterschied. Es gibt keinen Grund, sich in Deutschland vor Terroranschlägen, vor Islamisten fürchten zu müssen. Die Gefahr ist deutlich größer in Großbritannien oder Frankreich." Hierzulande gebe es jedoch einige wenige Einwanderer, die nicht richtig Fuß gefasst hätten und sich darum einer rückwärtsgewandten Interpretation des Islam zuwendeten.

In Frankreich hatte die Polizei Sicherheitskreisen zufolge bereits am Montag sechs Islamisten festgenommen. Sie würden verdächtigt, einer radikalen Zelle anzugehören und Anschläge in Frankreich geplant zu haben, hieß es. Die Verdächtigen im Alter zwischen 22 und 38 Jahren seien in Paris und Umgebung festgenommen worden.

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Quelle: n-tv.de

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