Politik
Scheich Muhammad al-Khatib erklärt den angeblichen Gefangenen, dass sie nicht sterben müssen.
Scheich Muhammad al-Khatib erklärt den angeblichen Gefangenen, dass sie nicht sterben müssen.

"Hinrichtungsvideo" endet unblutig: Rebellen kontern IS-Brutalität

Muslime in der ganzen Welt beteuern immer wieder, dass der IS-Terror mit ihrem Glauben nicht vereinbar sei. Eine syrische Rebellengruppe wendet sich mit dieser Botschaft nun direkt an die Terroristen - und knüpft dazu an deren Methoden an.

Die Kämpfer der Schamia-Front machen keinen Hehl daraus, dass sie selbst Islamisten sind. Ziel der Rebellengruppe, die in Syrien nördlich der Metropole Aleppo aktiv ist und unter anderem mit dem Al-Kaida-Ableger Nusra-Front zusammenarbeitet, ist die Errichtung eines islamischen Staates in Syrien mit der Scharia "als einziger Quelle des Rechts". Mit dem selbsternannten Islamischen Staat (IS) und dessen Terrormethoden wollen sie aber nichts zu tun haben. In einem neuen Video, das sich explizit an IS-Anhänger richtet, demonstriert die auch als Levante-Front bekannte Gruppe den Unterschied.

Der Clip ist nach dem Vorbild der berüchtigten IS-Hinrichtungsvideos inszeniert: Zunächst berichten mehrere in orangefarbene Overalls gekleidete Gefangene von Verbrechen, die sie als IS-Angehörige begangen haben oder bei denen sie Zeugen waren. Ihre Namen, Alter, Herkunft und Tätigkeit beim IS werden eingeblendet. Der jüngste, Idris aus der Stadt Homs, ist gerade 15 Jahre alt. Was dann folgt, kommt jedem Beobachter des syrischen Bürgerkriegs bekannt vor: Maskierte Männer in Kampfanzügen führen die aneinander geketteten Gefangenen auf ein staubiges Feld, lassen sie niederknien.

Doch statt eines entsetzlichen Blutbads wie in zahlreichen IS-Videos wird der Schriftzug "Muslime sind keine Verbrecher" eingeblendet. "Wir Muslime sind keine Verbrecher, keine Anhänger des Mordens, Abschlachtens, des Schreckens oder Terrors", ruft eine Stimme, woraufhin die Maskierten ihre gezückten Pistolen wieder einstecken und ihre Masken vom Kopf nehmen. Den Gefangenen werden die Handschellen abgenommen.

Video

Ein bärtiger Mann, vorgestellt als Scheich Muhammad al-Chatib, Chef des Scharia-Amtes der Schamia-Front, sagt ihnen, welche Strafe sie erwartet. Gemäß dem Islam sei "die Besserung unser Prinzip", erklärt er. Im Gegensatz zur Praxis des IS dürften Muslime ihre Gefangenen nicht töten, sondern müssten ihnen eine Chance auf Besserung gewähren. Nur wer darauf beharre, weiter sein eigenes Volk zu bekämpfen, den erwarte das Schwert.

IS "belohnt" Kinder mit Morden

Ob es sich tatsächlich um gefangene IS-Kämpfer handelt, die bis zur letzten Minute davon ausgingen, getötet zu werden, ist nicht überprüfbar. Das Ziel des Videos ist jedoch klar. Es soll die IS-Propaganda entkräften, derzufolge alle Gegner der Terroristen Ungläubige sind, die schlimmste Verbrechen an allen "Rechtgläubigen" verüben, denen sie habhaft werden. Die Angst vor der Rache ihrer Gegner gilt für viele IS-Anhänger als Grund, nicht aufzugeben, selbst wenn die Brutalität der eigenen Gruppe sie abstößt. Berichten zufolge gibt die Schamia-Front Kurse, in denen sie gefangene IS-Terroristen zu ihrer Version des Islam zu bekehren versucht.

Dass die Demonstration von Gnade die IS-Führung beeindruckt, ist indes unwahrscheinlich. In den vergangenen Tagen veröffentlichte das "Medienbüro" der Terrormiliz weitere Videos mit bekannten und neuen Hinrichtungsmethoden: Darunter die Enthauptung eines angeblichen russischen Spions in Syrien unddie Ermordung gefangener Schiiten im Jemen, die sich in ein Boot setzen müssen, das anschließend mit Granaten in die Luft gesprengt wird.

Ein besonders aufwendig inszeniertes Video veröffentlichten Terroristen vergangene Woche. Mehrere, um die zehn Jahre alte Jungs, sind darin zusehen, die als "Belohnung" für ihre Leistungen in der Koranschule gefesselte, in einer Ruine versteckte Gefangene suchen und aus nächster Nähe erschießen dürfen.

Quelle: n-tv.de

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