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Französische Soldaten unterwegs Richtung Norden.
Französische Soldaten unterwegs Richtung Norden.(Foto: dpa)

Verlustreiche Kämpfe in Mali: Rebellen stärker als erwartet

Die französische Regierung hatte sich den Verlauf der "Operation Serval" zunächst einfacher vorgestellt. Angesichts des Widerstands der islamistischen Rebellen gibt es Befürchtungen, andere Staaten könnten sich mit Hilfe zurückhalten. Frankreich hofft, dass das Gegenteil der Fall ist.

Frankreich hat die Stärke der islamistischen Rebellen in Mali anfangs offenbar unterschätzt. Die Kämpfer seien gut ausgerüstet, ausgebildet und entschlossen gewesen, sagte ein hochrangiger französischer Diplomat der Nachrichtenagentur Reuters. Einige hätten trotz der Angriffe durch die französischen Truppen ihre Stellungen überraschend halten können. Auch andere Diplomaten bei den Vereinten Nationen sagten, Frankreich habe die Rebellen anfangs unterschätzt.

"Danke Frankreich, Danke Präsident Hollande", heißt es auf dem Titelblatt dieser Zeitung in Bamako.
"Danke Frankreich, Danke Präsident Hollande", heißt es auf dem Titelblatt dieser Zeitung in Bamako.(Foto: REUTERS)

Mit massiver französischer Unterstützung setzen die malischen Truppen die Rebellen mittlerweile offenbar zunehmend unter Druck. Die Regierungsverbände eroberten die Stadt Kona in der Landesmitte zurück. "Bevor wir einrücken konnten, haben wir 42 Stunden lang gekämpft", sagte Kommandeur Didier Dakouo am späten Donnerstagabend im malischen Fernsehen.

Paris hofft auf Hilfe

Frankreich versucht gemeinsam mit Einheiten aus Mali und anderen afrikanischen Staaten, den Vormarsch der Islamisten aus dem Norden des Landes zu stoppen. Die Zahl der französischen Soldaten in der früheren Kolonie soll voraussichtlich auf 2500 steigen. Mali ist seit dem März vergangenen Jahres gespalten. Damals nutzten Tuareg-Rebellen ein Machtvakuum nach einem Militärputsch, um den Norden unter ihre Kontrolle zu bringen.

Weil die Kämpfe der französischen Truppen länger dauern und wohl verlustreicher werden als ursprünglich erwartet, gibt es Befürchtungen, dass sich andere westliche Staaten mit Hilfen zurückhalten könnten. Die Regierung in Paris hofft dagegen nach den Worten von Diplomaten, dass genau das Gegenteil eintritt und andere Länder mit Frankreich zusammenstehen.

Transall am Samstag in Bamako

Technische Probleme sollen die Ankunft der Transalls in Mali verzögern.
Technische Probleme sollen die Ankunft der Transalls in Mali verzögern.(Foto: dpa)

Die Bundesregierung hat einen Kampfeinsatz der Bundeswehr bereits ausgeschlossen. Allerdings stellt die deutsche Luftwaffe zwei Transall-Flugzeuge für den Transport der geplanten Eingreiftruppe der westafrikanischen Wirtschaftsunion (Ecowas).

Die Flugzeuge sind unterwegs und sollen am Samstag in Mali eintreffen. In der Hauptstadt Bamako werden sie nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums Sanitätsmaterial entladen und dann in das Nachbarland Senegal weiterfliegen.

Auch die USA sind eher zurückhaltend. Am Donnerstag entschied die Regierung von Präsident Barack Obama, Frankreich bei der Verlegung von Truppen nach Mali mit Transportmaschinen zu helfen. So sagte ein Regierungsmitarbeiter, die Luftwaffe würde wahrscheinlich Maschinen vom Typ C-17 und möglicherweise auch die größere C-5 einsetzen. Einzelheiten stünden noch nicht fest. Die Luftwaffe verfügt über starke Transporteinheiten, die viele Soldaten und Gerät auch über Kontinente hinweg transportieren können.

UN befürchten Flüchtlingsstrom

Wegen der Kämpfe in Mali stellen sich die UN auf einen großen Flüchtlingsstrom ein. Mehr als 700.000 Menschen könnten sich gezwungen sehen, vor Gefechten zu fliehen, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR).

"Unsere aktuellen Planungen sind eingestellt auf bis 300.000 Menschen, die innerhalb Malis Zuflucht suchen, und 407.000, die in benachbarte Länder fliehen", sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. Seit dem Frühjahr 2012 seien vor Kämpfen im Norden des Landes bislang rund 230.000 Menschen zu anderen Orten innerhalb Malis und fast 150.000 in benachbarte Länder geflohen.

Das UNHCR arbeite intensiv daran, seine Nothilfe-Kapazitäten in Algerien, Guinea, Mauretanien, Burkina Faso, Niger und Togo auszubauen. UN-Flüchtlingskommissar António Guterres hatte Europa am Donnerstag aufgerufen, die Unterstützung der Nachbarländer Malis bei der Versorgung von Flüchtlingen zu verstärken.

Quelle: n-tv.de

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