Freitag, 16. Oktober 2009
Bundesländer sind sich einig: Reform für den Bachelor
Die Länder wollen deutliche Kurskorrekturen bei den vor zehn Jahren eingeführten Bachelor- und Masterstudiengängen. So könne das Bachelor-Studium bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss statt sechs Semester auch sieben oder acht Semester dauern. Zugleich müsse einer zu großen Stofffülle, der Prüfungsdichte und Mobilitätshemmnissen entschieden entgegengewirkt werden, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Henry Tesch (CDU/Mecklenburg-Vorpommern) bei der Präsentation eines gemeinsamen Maßnahmenkataloges der Länder.
Bei studentischen Protestaktionen im Sommer hatte sich ein Teil der Kritik an den als verschult geltenden Bachelor-Studiengängen entzündet. Inzwischen haben mehr als 40 Staaten die sogenannte Bologna-Erklärung unterzeichnet. Darin verpflichten sich die Teilnehmerländer, bis 2010 ihre Studienstruktur auf die international vergleichbaren Bachelor- und Masterabschlüsse umzustellen.
Semesterzahl flexibler gestalten
Mit ihrem Maßnahmenkatalog fordern die Kultusminister die Hochschulen zu flexibleren Regelungen beim Bachelor-Studium auf. Bei der Gestaltung der Regelstudienzeiten bis zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss sollte je nach Anforderungen des Faches die vorgegebene Bandbreite von bis zu acht Semestern stärker genutzt werden.
Studieninhalte und Spezialisierungen im Rahmen der Bachelor- und Masterstudiengänge sollten "neu austariert" werden, heißt es in dem Beschluss. "Mobilitätsfenster" im Studium und mehr Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen sollen auch Gastaufenthalte sowie den Wechsel an andere Universitäten erleichtern. Auch wollen die Kultusminister für mehr Akzeptanz der Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt werben.
Geschlossen setzen sich die Länder in dem Papier für einen Ausbau der BAföG-Förderung ein. Studierende hatten bei den Protesten geklagt, dass Anwesenheitspflichten und dichte Prüfungsfolge in den neuen Studiengängen ein Jobben nebenher nahezu unmöglich mache. Die Unionsminister lehnten allerdings die Forderung der SPD ab, in den neuen Studiengängen auf Studiengebühren zu verzichten. Über ihren Maßnahmenkatalog wollen die Kultusminister jetzt mit der Hochschulrektorenkonferenz verhandeln.
Kritik am "Hochmut der Minister"
Bildungsministerin Schavan ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen.
(Foto: dpa)
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte das Vorgehen der Kultusminister. "Die Beschlüsse der KMK werden den Bologna-Prozess maßgeblich vorantreiben und für mehr Akzeptanz bei allen Beteiligten sorgen", sagte Schavan in einer Erklärung.
Kritik kam dagegen von Linken und Grünen. "Es zeugt von Hochmut und Ignoranz der Kultusminister, die Reform der Reform allein auf die Hochschulen abzuwälzen, sagte der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring. Die Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, Petra Sitte, sagte, die Kultusminister hätten erneut die Chance verpasst, die Hürden beim Zugang zum Masterstudium abzuschaffen.
dpa
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