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Der Treppenaufgang eines der zerstörten Häuser in Vorra.
Der Treppenaufgang eines der zerstörten Häuser in Vorra.(Foto: dpa)

Anschlag auf Flüchtlingshäuser: Regierung entsetzt über Fremdenfeindlichkeit

Die Bundesregierung reagiert mit Abscheu auf die Brandanschläge in Bayern. Gewalt und Fremdenfeindlichkeit werde man nicht dulden. In dem Ort Vorra hatten bislang Unbekannte Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesteckt. Der Staatsschutz ermittelt.

Diese Schmiererei haben offenbar die Täter an einer Hauswand in Vorra hinterlassen.
Diese Schmiererei haben offenbar die Täter an einer Hauswand in Vorra hinterlassen.(Foto: dpa)

Die Bundesregierung hat besorgt auf die mutmaßlichen Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Bayern reagiert. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass dahinter ein fremdenfeindlicher Hintergrund stecke, dann seien dies "abscheuliche Taten, die aufs Schärfste zu verurteilen" seien, teilte die Bundesregierung über ihre Sprecher mit. In Deutschland gebe es für derlei Formen von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit keinen Raum.

Mit Blick auf die steigende Zahl von Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland sagte Sprecherin Christiane Wirtz, dies müsse man mit großer Sorge beobachten. Alle zuständigen Stellen seien aufgefordert, diesen Vorfällen nachzugehen.

In der Nacht zu Freitag hatten in Vorra bei Nürnberg ein ehemaliger Gasthof, ein nahe gelegenes Wohnhaus sowie eine Scheune gebrannt. In die Gebäude sollten in der kommenden Woche Asylbewerber einziehen. Die Polizei fand Hakenkreuzschmierereien. Verletzt wurde niemand. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Bisher gebe es aber noch keine Hinweise auf den oder die Täter, so die Polizei.

Rund 150 Feuerwehrmänner sollen in der Nacht im Einsatz gewesen sein.
Rund 150 Feuerwehrmänner sollen in der Nacht im Einsatz gewesen sein.(Foto: dpa)

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kündigte umgehend an, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. "Wir sollten auf jeden Fall sicherheitshalber den Schutz anderer Asylbewerbereinrichtungen in Bayern verstärken", sagte er im Bayerischen Rundfunk. Es sei ganz offensichtlich Brandstiftung. "Und diese Hakenkreuzschmierereien lassen den Verdacht zu, dass es sich hier um rechtsradikale Täter handeln könnte. Wir werden alles tun, um sie zu identifizieren."

In Vorra zeigen sich Anwohner entsetzt. "Wir und andere Nachbarn haben uns auf die Ankunft der Asylbewerber gefreut", sagte eine Frau am Morgen nach dem Brand. "Wir haben uns schon drauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen." In den vergangenen Wochen habe sich im Dorf ein Unterstützerkreis gegründet. Die Bewohner seien froh gewesen, dass die seit Jahren leerstehenden Gebäude endlich saniert und für die Flüchtlinge hergerichtet worden seien.

Seehofer: Eine "schändliche Tat"

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer verurteilte den Anschlag als "schändliche Tat". "Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft", betonte er. "Die Menschen in Bayern lassen sich durch die Provokation, den Hass und die Menschenverachtung, die aus dieser Tat sprechen, nicht beirren." Bayern zeichne sich aus durch die Hilfsbereitschaft und Unterstützung der Bürger "für diejenigen, die im Freistaat Schutz vor Krieg und Verfolgung und Obhut in Frieden suchen".

Bayerns Europaministerin Beate Merk verwies mit Blick auf das Bild Deutschlands in der Welt auf die negative Wirkung solcher Vorfälle. "Deswegen müssen wir durch alle politischen und gesellschaftlichen Gruppen hindurch jetzt unmissverständlich deutlich machen: Deutschland ist ein weltoffenes, gastfreundliches Land, in dem für ausländerfeindliche Wirrköpfe kein Raum sein darf."

Die Gebäude - eine leerstehende Gaststätte, eine Scheune und ein leerstehendes Wohnhaus - waren umgebaut worden und sollten Flüchtlingen als Unterkunft dienen. Eine Anwohnerin hatte den Brand in der Gaststätte entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Aus den Fenstern quoll starker Rauch, wie der Polizeisprecher sagte.

Kurze Zeit später wurde bemerkt, dass auch die anderen Gebäude in Flammen standen. Es gelang der Feuerwehr aber rasch, den Brand zu löschen. Ein Feuerwehrmann erlitt bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen. Den Gesamtschaden schätzte die Polizei auf etwa 700.000 Euro. Die Häuser sind unbewohnbar.

Quelle: n-tv.de

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