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Es fehle in Sachen Umweltschutz an langfristiger Planung, bemängeln die Experten der Regierung.
Es fehle in Sachen Umweltschutz an langfristiger Planung, bemängeln die Experten der Regierung.(Foto: picture-alliance/ dpa)
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Experten kritisieren Umweltpolitik: Regierung ohne Plan

So bedrohlich der Klimawandel auch ist: Er bietet immerhin die Chance, mit Hilfe ökologischer Technologien Wachstum zu schaffen. Doch Deutschland steht in Gefahr, dabei die Führungsrolle zu verlieren. Unterdessen zeichnen amerikanische Wissenschaftler ein düsteres Bild der überhitzten Welt.

Deutsche und internationale Experten haben der Bundesregierung kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen vorgeworfen, bei der Umwelt- und Finanzpolitik falsche Schwerpunkte zu setzen. "Deutschland droht, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben", sagte der Chef des Deutschen Rats für nachhaltige Entwicklung, Volker Hauff. Vor allem in den zentralen Bereichen Wirtschaftswachstum und Steuern fehle es an Nachhaltigkeit, sagte Hauff, der das Beratergremium der Bundesregierung leitet. Das sei für Deutschlands Stellung als Exportweltmeister gefährlich. Die Bundesrepublik laufe aber auch Gefahr, ihre weltweite Marktführerschaft bei der Umwelttechnologie einzubüßen, heißt es in einem vom Kanzleramt in Auftrag gegebenen Bericht zur Nachhaltigkeitspolitik.

Hauff sagte, die Bundesregierung plädiere in ihrem Koalitionsvertrag eher für ein undifferenziertes Wachstum als für ein ökologisches Wachstum. Das genüge nicht dem Anspruch, ein Wachstum zu schaffen, "für das wir uns vor unseren Enkeln nicht schämen müssen", bemängelte Hauff.

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"Derzeit ist Deutschland noch Weltmarktführer", sagte Björn Stigson, der Präsident des "World Business Council für Sustainable Developement" (WBCSD). Doch Deutschland drohe, seine Position an die USA, China oder andere Länder abzugeben.

In ihrem Bericht haben die Experten einen erheblichen Mangel an langfristiger Planung ausgemacht. Zudem bestehe ein großer Bedarf an besserer Koordination zwischen Kanzleramt, Ministerien und den Bundesländern. Auch die Zusammenarbeit von Politik und Privatwirtschaft müsse besser werden. Es fehlten klare Visionen für mittel- und langfristige Ziele, heißt es in dem Bericht der Experten.

Kanzlerinnen-Berater Hauff drängt auf Nachhaltigkeit.
Kanzlerinnen-Berater Hauff drängt auf Nachhaltigkeit.(Foto: dpa)

Hauff bemängelte, dass Deutschland bei der Besteuerung von Umweltbelastungen und Ressourcenverbrauch in der Europäischen Union zurückliege, teils sogar am Ende der Rangliste rangiere. Mit Blick auf den Klimagipfel in Kopenhagen wandte sich Hauff gegen eine Position des "Alles oder Nichts". Seine Erfahrung zeige, dass man damit das "Nichts" riskiere. Es müsse darum gehen, ein Scheitern von Kopenhagen zu verhindern und das Treffen zum Beginn eines Prozesses für die Zukunft zu machen, so der frühere Bundesforschungsminister.

Furcht vor Misserfolg

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht für einen Erfolg der Klimaschutz-Verhandlungen in Kopenhagen noch erhebliche Hürden. Die USA und Schwellenländer wie China und Indien müssten sich dort zum "nachprüfbaren" Abbau ihrer Treibhausgas-Emissionen verpflichten, sagte die Kanzlerin. Dies sei der schwierigste Punkt für Kopenhagen. "Das kann man nicht offen lassen", sagte sie.

Das Abkommen selbst soll dann im Laufe des Jahres 2010 völkerrechtlich verbindlich werden. Wichtig sei, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. "Ein Misserfolg wäre ein schlimmes Signal", sagte Merkel.

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Der Klimawandel wird laut einer Studie schon vor 2050 schwerwiegende unumkehrbare Folgen haben. Durch das Schmelzen der Polkappen steige der Meeresspiegel möglicherweise um einen halben Meter und gefährde in Küstenmetropolen Vermögenswerte von mehr als 28 Billionen US-Dollar (19 Billionen Euro), teilten das Versicherungsunternehmen Allianz und die Umweltorganisation WWF mit.

Dürre und Kriege

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Amerikanische Wissenschaftler befürchten zudem eine Zunahme bewaffneter Konflikte und Bürgerkriege in Afrika als Folge des weltweiten Klimawandels. Die globale Erwärmung trifft Afrika südlich der Sahara besonders hart. Bei der Untersuchung von Konflikten der Vergangenheit sei eine Häufung kriegerischer Auseinandersetzungen in Jahren mit überdurchschnittlichen Temperaturen festgestellt worden, begründeten die Wissenschaftler der US-Akademie der Wissenschaften ihre Theorie.

Die Gründe liegen nahe: In Zeiten von Dürre und Wasserknappheit sind Konflikte um Wasser, Weideland und Landwirtschaftsflächen wahrscheinlicher. Wird die herausragende Rolle der Landwirtschaft für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt der schwarzafrikanischen Länder berücksichtigt, drohen mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft auch neue Konfliktherde. Nach den Berechnungen des Agrarökonomen Marshall Burke von der Universität Berkeley und seiner Kollegen könnte die Zahl bewaffneter Konflikte angesichts des zu erwartenden Temperaturanstiegs bis zum Jahr 2030 in Afrika um rund 54 Prozent steigen, wodurch es bis zu 393.000 Kriegstote geben würde.

Ein ausgetrocknetes Flussbett in Indien. Vor allem arme Regionen werden zunehmend unter dem Klimawandel leiden.
Ein ausgetrocknetes Flussbett in Indien. Vor allem arme Regionen werden zunehmend unter dem Klimawandel leiden.(Foto: dpa)

Um neue blutige Kriege in Afrika zu vermeiden, schlagen die Wissenschaftler Maßnahmen zur Sicherung von Ernteerträgen, Versicherungen für Bauern bei Ernteausfällen und schnelle Reaktionen der reichen Länder auf die Folgen des Klimawandels vor.

Quelle: n-tv.de

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