"Extreme Summer", "Fly Cherry", "Manga XXL"Regierung verbietet 26 Designerdrogen

Heute verboten - morgen wieder auf dem Markt. Schon kleinste Veränderungen an der molekularen Struktur machen aus einem verbotenen Stoff eine neue Designerdroge. Die Bundesregierung spielt "Hase und Igel" mit den Drogenmischern. Die Polizei findet das nicht besonders effektiv.
Alljährlich stellt die Bundesregierung im Frühjahr ihren Drogenbericht vor. Seit Jahren kann sie dabei Positives vermelden, die Zahl der Drogentoten sinkt. 1449 - 1331 - 1237 - 986 und 944 lauten die Zahlen der vergangenen fünf Jahre. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn seit Jahren heißen die neuen Verführer "Designerdrogen". Eine von ihnen ist "Spice". Die seit vier Jahren in Deutschland verbotene Droge kommt besonders bei jungen Leuten gut an.
Jetzt hat die Bundesregierung erneut einen Feldzug gegen die rasante Verbreitung von Designerdrogen gestartet und brachte eine Verordnung auf den Weg, mit der 26 Substanzen verboten werden sollen. Die Designerdrogen kommen in der Regel als kleine bunte Tütchen auf den Markt und tragen Namen wie "Extreme Summer", "Fly Cherry" oder "Manga XXL".
Das Problem ist, dass sich die Bundesregierung damit auf ein "Hase-und-Igel"-Spiel eingelassen hat. Denn schon kleine Veränderungen an der molekularen Struktur machen aus einem verbotenen Stoff eine neue Substanz - und diese fällt dann nicht unter das gesetzliche Verbot. Gesundheitsgefährdend ist sie dennoch. "Ziel ist es, den Missbrauch dieser Stoffe einzudämmen, die Gesundheit Einzelner und der Bevölkerung zu schützen und die Strafverfolgung zu erleichtern", so das Ministerium.
Die Drogen werden oft als Kräutermischungen verkauft. Das sind getrocknete Pflanzen in Tütchen, die mit den künstlich hergestellten Lösungen beträufelt worden sind. Auch als Badesalz oder Duftkissen werden die Drogen verkauft. Meist vertreiben Händler sie übers Internet.
Nur grenzüberschreitendes Vorgehen kann helfen
Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, hatte bereits vergangenen Monat gesagt: "Bei sogenannten Designerdrogen gibt es steigende Umsatzzahlen." Doch vieles rund um Konsum und Markt dieser künstlich hergestellten Drogen liegt im Dunkeln.
Die Polizeigewerkschaft GdP ist skeptisch. Sie hält international abgestimmte Strategien als wesentlich effizienten im Kampf gegen die "besorgniserregende Zunahme der Drogenkriminalität". Die Zahlen zeigten, dass hoch kriminelle Hersteller und Schmuggler die gelockerten Grenzkontrollen in Europa ausnutzten, um die Märkte mit Drogen zu überschwemmen. "Der Kampf gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität muss von den Polizeien Europas gemeinsam geführt werden", sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut.
Dem neuen Verbot muss der Bundesrat noch zustimmen, damit es in Kraft treten kann. Auch nach dem Verbot von "Spice" waren immer wieder Stoffe dieser Art verboten worden. Ein verbot mit nur kurzem Erfolg. Mit "Spice" waren die Designerdrogen in den Blick einer breiteren Öffentlichkeit geraten. Es war zum Beduften von Räumen verkauft worden. Entgegen den Empfehlungen auf der Packung wurde es aber geraucht. Die erstmals in England aufgetauchte Kräutermischung war in Drei-Gramm-Tütchen zum Taschengeldpreis von 30 Euro angeboten worden. Der Konsum solcher Substanzen ist nicht mit herkömmlichen Drogentests nachweisbar.