Freitag, 04. November 2005
Brief an Merkel und Müntefering: Reiche wollen Vermögensteuer
Eine Gruppe nach eigener Aussage vermögender Bürger hat Union und SPD zu einer Erhöhung der Steuern für Reiche aufgefordert. In einem am Freitag veröffentlichten offenen Brief an die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und SPD-Chef Franz Müntefering, fordern die 21 Unterzeichner: "Belasten Sie die Vermögenden, statt den Arbeitnehmern und Rentnern weitere Opfer abzuverlangen." Deutschland brauche ein besseres Bildungssystem, "aber kein Steuerparadies für Superreiche".
Einige der Briefschreiber seien vermögend und bereit, höhere Steuern zu zahlen. Der Brief sollte am Samstag als Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Bild"-Zeitung erscheinen.
Es sei ein Skandal, dass Deutschland im internationalen Vergleich die niedrigste Besteuerung für Vermögende habe, kritisierten die Verfasser. Fasse man die Steuersätze auf Grundbesitz, Vermögen, Erbschaften und Schenkungen zusammen, liege Großbritannien mit einem Anteil von 4,3 Prozent am Bruttosozialprodukt an der Spitze vor Frankreich, den USA und Japan. In der Bundesrepublik machten die Steuern für Vermögende nur 0,8 Prozent des Sozialprodukts aus.
Der Initiator der Aktion, der Hamburger Reeder Peter Krämer, sagte: "Es kann nicht sein, dass derzeit ernsthaft über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer nachgedacht wird, ohne die Vermögenden in diesem Land dabei zu belasten." Unterschrieben haben unter anderem der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, seine Schriftstellerkollegen Erich Loest und Peter Rühmkorf, der Ökonom Rudolf Hickel, der Soziologe Oskar Negt, der Polit-Grafiker Klaus Staeck und der frühere Juso-Vordenker Johano Strasser.
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